(hol) Madeira - eine Insel im Atlantik? Gala - eine Zeitschrift über Promis? Elfe - ein anmutiger Naturgeist? Venezia - eine italienische Eisdiele? Falsch! Es handelt sich um  Namen von Kartoffelsorten, die auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Bernhard in Dorheim angebaut werden. Neben diesen vier haben die Bernhards und ihre Mitarbeiter diesen Herbst etwa 16 weitere Kartoffelsorten aus den fruchtbaren Wetterauer Böden geholt.

Die Friedberger CDU unter Führung ihres Vorsitzenden Dr. Hermann Hoffmann erhielt bei ihrem Besuch von Familie Bernhard einen ganzen Sack voll Informationen rund um die „tolle Knolle“. Das begann schon in dem neuen Selbstbedienungsladen, wo im Handel kaum erhältliche Sorten wie das Bamberger Hörnchen angeboten werden. Diese im Geschmack sehr würzige Sorte wird seit 1870 in Deutschland angebaut und hat, wie der Name sagt, eine hörnchenförmige Knolle. Noch mehr staunten die CDU-Besucher über die Sorte ‚Blaue Schweden‘, eine Kartoffel mit dunkelblauer Schale und violettem Fleisch, die auch nach dem Kochen ihre blaue Farbe behält. Und schließlich Bonotte de Noirmoutier, die „teuerste Kartoffel“ der Welt. Sie stammt von der Atlantikinsel Noirmoutier vor Südwestfrankreich und wird dort gerne in Restaurants als Dessert auf der Speisekarte angeboten. Und dann gibt es noch Mandelkartoffeln, Elfe, Venezia, Valeria, Belana und, und, und.

Neben diesen Sorten für den Handel und Endverbraucher bauen die Bernhards auf etwa 20 Hektar Pflanz- und Speisekartoffeln an. Im Auftrag von Kartoffelzucht-Betrieben wie der NORIKA Nordring Kartoffelzucht- und Vermehrungs GmbH in Sanitz bei Rostock und der Europlant Pflanzenzucht GmbH in Lüneburg werden Pflanzkartoffeln wie die Sorte Madeira (seit zwei Jahren in der Vermehrung), Belana, Pirol oder Gala produziert. Einige dieser Sorten werden von Bernhards demnächst wieder nach Südeuropa geliefert werden. Von dort kommt der neue Aufwuchs dann im März als Frühkartoffel zurück auf den heimischen Markt. Pirol dagegen wird z.B. an Kartoffelanbauer in die Pfalz geliefert und dort vermehrt. Diese Sorte wird für die Herstellung von Kartoffelchips genutzt.

Die Produktion von Pflanzkartoffeln ist deutlich aufwändiger als andere Produktionsrichtungen im Kartoffelbau. Pflanzgut darf zu gewerblichen Zwecken nur in den Verkehr gebracht werden, wenn es anerkannt ist. Die Anerkennung von Pflanzgut ist in der Pflanzkartoffelverordnung (PflKartV) geregelt, die im Einzelnen alle Durchführungsbestimmungen des Anerkennungsverfahrens beinhaltet. Wichtig ist dabei die Gesundheit der Pflanzkartoffeln. Diese höheren Aufwendungen werden nur bei anerkannten und verkauften Pflanzgutpartien über die höheren Preise wieder erwirtschaftet. Doch da hatte Familie Bernhard im vergangenen Jahr Pech. Durch das Handelsembargo mit Russland blieben sie auf einer Lieferung von Pflanzkartoffeln „sitzen“. Der Schaden: rund 30.000 Euro.

Staunend marschierten Friedbergs CDU-Politiker durch die fast gefüllten Lagerhallen, wo maximal 800 Tonnen Kartoffeln unter ständiger Belüftung gelagert werden können. Bestaunt wurden auch die Sieb-, Sortier- und Abpackmaschinen. Als zertifizierter Betrieb darf der Kartoffelhof Bernhard für seine Kartoffeln mit den Bezeichnungen „Geprüfte Qualität HESSEN“ und „Gutes aus Hessen“ werben. In einer weiteren Halle wurde der Fuhrpark besichtigt, denn Familie Bernhard baut auf ca. 100 Hektar Ackerland neben den Kartoffeln auch noch Zuckerrüben, Raps und Weizen im ständigen Fruchtwechsel an.

Bei der abschließenden Verkostung von Bamberger Hörnchen, Blauem Schweden und Gala stellte CDU-Magistratsmitglied Dirk Antkowiak fest: „Landwirtschaftliche Familienbetriebe wie die Bernhards sichern nicht nur unsere Ernährung sondern tragen auch zur Artenvielfalt in der Friedberger Gemarkung bei.“

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