(hol) Seit Juni 1996 wird auf dem Hof der Familie Preußner in Ossenheim Biogas erzeugt und zwar aus organischen Reststoffen. Aus diesem Anlass besuchte die Friedberger CDU mit Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender an der Spitze die etwas außerhalb von Ossenheim am Königsstuhl gelegene Anlage. Der frisch verheiratete 36-jährige Betriebsleiter Matthias Preußner, der zusammen mit seinem Vater Gerd das Unternehmen Energor leitet, begrüßte die Gäste der Friedberger CDU und erläuterte das von seinem Vater eigenständig entwickelte System der Sammlung, Entsorgung und Verwertung organischer Reststoffe.

Pro Jahr werden rund 10.000 Tonnen organische Abfälle aus Großküchen mit Entsorgungspflicht (Gaststätten, Kantinen, Krankenhäuser, Altenheime), aber auch aus Catering-Betrieben, Döner-Imbissen und von Pizza-Bäckern verarbeitet. Dazu kommen insgesamt 8.000 Tonnen Bäckereiabfälle, Getränke wie abgelaufene Fruchtsäfte und Mineralwässer sowie die Gülle der 1.500 Schweine des Hofes.  Derzeit entsorgt das Unternehmen Reststoffe von 700 Sammelstellen. Dabei zieht sich das Einzugsgebiet von Wetterau, Vogelsberg, Hanau, Frankfurt, Mainz, Wiesbaden bis hin zu Gießen und Fulda (weiteste Entfernung 70 km). Und zurzeit liefern auch Ockstädter Kirschenbauern faules Obst in Ossenheim an. Nach dem Einsammeln werden die Speisereste zerkleinert, bei 70 Grad hygienisiert und gelangen anschließend in die Biogasanlage. Dort entsteht Methangas, das in zwei Blockheizkraftwerken für die Erzeugung von Strom und Wärme  genutzt wird. Würden die Bioabfälle auf einer Mülldeponie gesammelt, würde das bei dem Zersetzungsprozess entstehende Methangas in die Atmosphäre entweichen. Methangas belastet die Umwelt 30 Mal stärker als Kohlenstoffdioxid. „Die Umwelt wird also doppelt geschont: Zum einen gelangt durch die Verwertung von Speiseresten erheblich weniger Methangas in die Atmosphäre, zum anderen sparen wir durch die klimafreundliche Energie im Vergleich zu herkömmlich produzierter Energie große Mengen CO2 ein“, erläuterte Agrarbetriebswirt Matthias Preußner. „Mit der erzeugten Wärme decken wir unseren Heizenergiebedarf. Von dem produzierten Strom benötigen wir etwa zehn Prozent zur Deckung des gesamten Eigenbedarfes unseres Betriebes, den Rest verkaufen wir.“ Das sind etwa 5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Damit können 1.200 Haushalte - also ganz Ossenheim und Bauernheim - ein Jahr lang mit Strom versorgt werden!

Matthias Preußner, auch Ortslandwirt von Ossenheim, bewirtschaftet außerdem 200 h Ackerland und hält 1500 Schweine. Auf den Ackerflächen werden auch 50 Prozent der Gärreste aus der Biogasanlage ausgebracht – ein hochwertiger, im Vergleich zur Gülle geruchsarmer Dünger.

Doch wo viel Licht, ist auch Schatten. Im Jahr 2020 läuft der EEG-Vertrag der Familie Preußner aus.  Alle möglichen Anschlussverträge stellen den Betrieb offensichtlich schlechter als heute. Und auch notwendige bauliche Erweiterungen stehen noch vor hohen Hürden.

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