Viele Hausbesitzer sind auf den Denkmalschutz nicht gut zu sprechen. Die Auflagen der beim Wetteraukreis angesiedelten unteren Denkmalschutzbehörde sorgen oft für Ärger und Unverständnis. Dass es auch anders geht, davon erzählte Baronin Katharina von Franckenstein beim "11. Friedberger Stadtgespräch" des CDU Stadtverbands, bei dem über "Denkmalschutz in Friedberg" diskutiert wurde. "Wir haben gute Erfahrungen", sagte die Baronin, die seit 15 Jahren zusammen mit Ehemann Georg den Familienbesitz in Ockstadt saniert. Sie bescheinigte den Denkmalschützern, dass diese auf Grund "ihrer Erfahrungen einen guten Blick für zu Erhaltendes haben".

Doch auch sie habe nach den ersten Gesprächen gedacht: "Die verlangen ja nur". "Bei den Gebäuden sind wir relativ weit", sagte von Franckenstein auf die Frage von Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender, der durch den Abend führte. Derzeit werden die Außenanlagen des Schlosses instandgesetzt. "Dann warten noch drei Außenmauern auf uns". Die gute Zusammenarbeit zwischen der Familie von Franckenstein und der unteren Denkmalschutzbehörde war für Gustav Jung, dem Vorsitzenden des Denkmalbeirats des Wetteraukreises, ein gutes Beispiel dafür, "dass es möglich ist, vernünftig zusammenzukommen".

Jung erläuterte die Organisation des Denkmalschutzes in Hessen mit dem Denkmalschutzgesetz als Grundlage. Er stellte kurz die Aufgaben des Denkmalschutzbeirats vor. Als weiterer Diskutant war Statiker Dominik Mangelmann aus Offenbach gekommen. Der zertifizierte Tragwerksplaner lebt in einem Fachwerkhaus aus dem Jahre 1699, das er selbst renoviert hat. Seit 13 Jahren ist das CDU Mitglied Stadtverordneter in seiner Heimatstadt. Befragt zum Zustand des Hauses Kaiserstraße 114 (Reuss'sche Gelände), das der Investor gerne abreißen möchte, erklärte er: "Der Investor wusste, was er gekauft hat". Er verlangte eine ehrliche Wirtschaftlichkeitsrechnung, die das ganze Gelände einbezieht. "Das Verfallenlassen eines Projekts ist absolut unzulässig". Er frage sich ohnehin, ob Friedberg an dieser Stelle ein Einkaufszentrum benötige. Dass ein solches Zentrum vorhandene Struktur zerstören kann, erläuterte er am Beispiel der Offenbacher Innenstadt. Architekt Michael Bender, der seine Diplomarbeit über den Denkmalschutz der Friedberger Kaserne geschrieben hat, ergänzte die Ausführungen Mangelmanns. Der Architekt wies auf die Möglichkeiten des Denkmalschutzgesetzes hin. Sogar Enteignungen seien möglich, doch "die untere Denkmalschutzbehörde ist viel zu schwach besetzt", es fehlten Baukontrolleure, sagte Bender.
Er erläuterte seinen Vorschlag, rund 16 Hektar des Kasernengeländes unter Denkmalschutz zu stellen. Die Hofstruktur der Ensembles aus 1913/1914 sowie aus den 1930er Jahren muss, betont Bender, unbedingt erhalten werden. "Das ist eine sehr gute städtebauliche Struktur", ergänzte Jung. Und: "Denkmalschutz beginnt dann, wenn eine Epoche abgeschlossen ist".

Bender kritisierte das Verhalten von Bürgermeister Michael Keller (SPD), der seinen Vorschlag abgelehnt und sogar für den Abriss des Hauses plädiert habe, in dem Elvis Presley wohnte. Der Abriss der einstigen Housing-Area sorgt bei Bender für Unverständnis: "Nun baut man an dieser Stelle Häuser mit ähnlichem Zuschnitt, den laut Keller Deutsche nicht haben wollten".

Hollender wies darauf hin, dass auch ein halbes Dutzend Grünflächen unter Denkmalschutz stehen. Dazu gehören die Seewiese, sowie der Garten des evangelischen Gemeindehauses und der einstigen Lackfabrik Megerle. "Doch von letzterem sei nicht mehr viel übrig", stellte Bender fest.

Kritisiert wurden im Verlauf des Abends die Altstadtsanierung sowie der aktuelle Zustand von Altstadt und Kaiserstraße. "Die Straße hat ein Riesenpotenzial, es muss nur genutzt werden" sagte Jung und wies auf Sünden der letzten Jahrzehnte hin. Die Hausbesitzer müssten für den Dankmalschutz sensibilisiert werden. "Sonst sehe ich schwarz", sagte Jung.

Professor Peter Schubert, Sprecher des Kulturforums, registrierte in den letzten 50 Jahren nicht nur auf der Kaiserstraße einen "Vernichtungswahn". Mangelmann brachte es auf den Punkt: "Diese Stadt muss begreifen, welchen Schatz sie mit der Kaiserstraße hat".

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