(hol) „Gehen Entwicklungsländer so mit dem Regenwald um, ist die Empörung groß. Wenn aber vor unserer Haustür eine flächendeckende Rodung des Taunus, unseres heimischen Waldes erfolgen soll, werden gerne alle Augen zugedrückt“, empört sich Friedbergs CDU- Vorsitzender Dr. Hermann Hoffmann. Die Taunushöhe zwischen Winterstein und Steinkopf (Sendemast) im direkten Blickfeld  Friedbergs und der Wetterau sei für Friedbergs Grüne offenbar der Präzedenzfall für die flächendeckende Zerstörung der Mittelgebirgslandschaft des Taunus durch doppelt fernsehturmhohe, sich drehende und grell blitzende Riesenrotoren. Denn nichts anderes bezweckten Friedbergs Grüne mit ihrem Antrag auf Erweiterung der Windvorrangfläche Richtung Westen, weiter hinein in den Friedberger Stadtwald auf dem Taunuskamm. Hier solle mit einem interkommunalen Windpark auf Biegen und Brechen ein ökonomisch fragwürdiges und ökologisch schädliches Projekt durchgesetzt werden.

Die Friedberger CDU fordert, dass der notwendige Ausbau regenerativer Energie in der Region nicht dazu führen darf, dass jede Kommune entlang des Taunuskammes die Wälder auf dem Taunuskamm durch Riesenwindräder ersetzt. „Müssen wir die Abkehr von der Atomkraft mit dem Verlust der Unverwechselbarkeit unserer Heimat und unseres Landschaftsbildes bezahlen?“ fragt Hoffmann, um die Frage sogleich für die CDU zu verneinen, denn der Erhalt der biologischen Vielfalt vor allem in den Taunuswäldern, der Erhalt einer sehr alten Kulturlandschaft und der Ausbau erneuerbarer Energien seien gleichrangige Ziele einer nachhaltigen Entwicklung Hessens.

Daher habe die Friedberger CDU der Ausweisung eines Vorranggebietes für Windenergienutzung durch den Regionalverband Frankfurt/Rhein Main im Bereich „Winterstein/ Steinkopf“ widersprochen. Würde dieses 274 Hektar große Gebiet, in dem auch Teile des Friedberger Stadtwaldes liegen, entsprechend ausgewiesen, könnten hier zahlreiche Windräder gebaut werden. Wenn es nach dem Willen der Friedberger Grünen ginge, fiele sogar der gesamte Friedberger Stadtwald in das Vorranggebiet.

Dies hätte fatale Folgen: In dem vorgesehenen Vorranggebiet würden Windräder mit einem etwa 140 m hohen Turm sowie einem Rotor von bis zu 100 m Durchmesser, also einer Gesamthöhe von 190 Metern gebaut werden. Zum Vergleich: der Turm auf dem Steinkopf ist 105 Meter hoch, der Turm auf dem Großen Feldberg 70 Meter. Der Abstand zwischen einzelnen Windrädern müsste mindestens 5 bis 9 x den Rotordurchmesser betragen, also maximal 900 Meter. Die über 190 m hohen Windräder würden mit rot blitzenden Signalleuchten ausgestattet. Nachts würde der Taunuskamm daher einer Einflugschneise am Flughafen gleichen. Dieser „optischen Umweltverschmutzung“ würde nicht nur in Friedberg, sondern in weiten Teilen der Wetterau zu sehen sein.

Eine erhebliche Naturzerstörung stellten zudem die Gesamtbau- und Stellflächen dar. Für die Erstmontage müssten pro Windrad etwa 0,7 Hektar Wald gerodet werden. Davon wären dauerhaft 0,4 Hektar freizuhalten, 0,3 Hektar könnten wieder aufgeforstet werden. Jeder Turm benötigte ein Fundament aus Stahlbeton mit einem Außendurchmesser von etwa 21 Metern.  Die versiegelte Fläche pro Windrad betrüge so etwa 350 Quadratmeter. Hinzukämen die Zuwegung zur nächstgelegenen öffentlichen Straße und Flächen für die Stromtransportleitungen und deren Nebenanlagen.

Zerstörung des Landschaftsbildes

Im Bundesnaturschutzgesetz ist in  Paragraph 1 Abs. 1 Ziff. 3  das Ziel formuliert, die Vielfalt, Eigenart  und Schönheit sowie den Erholungswert von Landschaften zu erhalten. „Danach sind Windkraftanlagen aus landschaftsästhetischer Perspektive auf dem Taunuskamm abzulehnen. Denn es handelt sich hier um eine Landschaft mit hoher landschaftsästhetischer Qualität; in dieser wären die Beeinträchtigungen durch Windkraftanlagen sehr erheblich“, stellt der CDU- Vorsitzende fest.

Die auf dem Taunuskamm im Wald geplanten Windkraftanlagen stünden jenseits jeglicher natürlicher Landschaftsproportionen. Die dort wachsenden Laub- und Nadelbäume werden kaum höher als 50 Meter. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten müssten hier Anlagen mit einer Turmhöhe von etwa 140 Meter errichtet werden. Dazu addiere sich für die Gesamthöhe der halbe Rotordurchmesser von im Mittel 50 Meter. „ 190 Meter als Durchschnittshöhe sprengen das Vorstellungsvermögen, wenn man bedenkt, dass der Sendemast auf dem Steinkopf eine Höhe von 105,35 Meter aufweist“, bekräftigt Hoffmann. Zur Vielfalt und Eigenart trügen derartige Windkraftanlagen in der (traditionellen) Kulturlandschaft des Taunus nicht bei. Sie stellten keinen für diese Landschaft typischen Bestandteil dar. Sie seien Fremdkörper und beeinträchtigten das Landschaftsbild in seiner gewachsenen Eigenart.

Das geplante Vorranggebiet läge zudem innerhalb des Naturparks Hochtaunus. Gemäß Paragraph 27 Bundesnaturschutzgesetz sind Naturparks einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die unter anderem „ der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch vielfältige Nutzung  geprägten Landschaft und ihrer Arten- und Biotopvielfalt dienen und in denen zu  diesem Zweck eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung angestrebt wird“. Im Umfeld des Naturparks Hochtaunus können über drei Millionen Menschen das Schutzgebiet mit öffentlichen Verkehrsmitteln in nur einer halben Stunde erreichen. Das Gebiet des Naturparks Hochtaunus zeichnet sich durch eine sehr alte Siedlungsgeschichte aus. Während zweier Jahrhunderte beherrschten die Römer den Hochtaunus, auf dessen ost-westlicher Kammlinie ihr Sicherungswall, der Limes, verlief. Im Sommer 2005 wurde der Limes durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Spuren dieses Grenzwalles sind westlich des Vorranggebietes in voller Länge noch sehr gut erhalten, darunter des Römerkastell Kapersburg und das Römerkastell Ockstädter Wald.

Weitere Aufgabe des Naturparks sind die Erhaltung der Natur und die Nutzung zu Erholungszwecken. Angezogen durch besondere Angebote und Einrichtungen sollen schwerpunktmäßig in Ballungsräumen möglichst viele Menschen Natur erleben können. Dem werde der Naturpark Taunus auch im Bereich des Vorranggebietes sowie in seiner direkten Umgebung in besonderer Weise gerecht: Entlang des Limes wurde ein Limes- Wanderweg mit zahlreichen Info-Tafeln eingerichtet.

Auf dem Winterstein (482 m) steht seit dem Juli 2005 ein  gänzlich aus Douglasienholz gebauter, fünfstöckigen Holzturm (16,7 m) mit Aussichtsplattform. Dieser Turm wäre von einem Windpark in besonderer  Weise beeinträchtigt, weil die Sicht auf Friedberg und in die Wetterau nicht mehr uneingeschränkt möglich wäre.

Auch die Einrichtung eines Wildkatzen- Lehrpfades, der im Bereich Winterstein durch das Planungsgebiet führt, ansonsten direkt nordwestlich an das Planungsgebiet verläuft, wäre gefährdet.

Stadtwald und Artenschutz

Auch aus forstwirtschaftlicher Sicht kann man sich nach Auffassung der CDU das Vorranggebiet nicht leisten. Knapp die Hälfte der Fläche des Friedberger Stadtwaldes liegt im geplanten Vorranggebiet. In diesem Bereich stehen vor allem wertvolle Eichenkulturen, die im Schnitt 100 Jahre alt sind. Ziel ist es hier, langfristig stärkeres Eichenstammholz zu produzieren. Der Produktionszeitraum sind die nächsten 240 Jahre. Mit diesen Eichenbeständen erwirtschaftet der Friedberger Stadtwald pro Jahr etwa 400 Festmeter Eichenholz und erzielt damit dauerhaft hohe Erträge. Ein Eingriff in den Waldbestand mit Verlust dieser Eichenbestände sei aus finanzieller Sicht daher nicht zu verantworten.

Der Friedberger Stadtwald sei zudem als Rotwildrevier verpachtet. Die jährlichen Einnahmen aus der Jagdpacht seien beachtlich. „Aus finanzieller Sicht ist daher eine Beeinträchtigung des Rotwildbesatzes im Friedberger Stadtwald nicht zu verantworten.“, erklärt Hoffmann. Die Auswirkungen bei der Errichtung von Windkraftanlagen könnten nicht abgeschätzt werden. Dies fange schon bei tausenden von Lkw- Fahrten während des Baus an. Mit negativen Auswirkungen auf den Wildbesatz sei zu rechnen.

Bisher ungeklärt sei auch das Vorkommen von Fledermausarten im Planungsgebiet. Geklärt sei aber das Vorkommen der Wildkatze. Das Planungsgebiet liege zu 100% in einem Lebensraum der Wildkatze. Durch die Waldrodungen für die Herstellung der Standflächen der Windkraftanlagen, dem Bau von Zufahrtstrassen zu den Windkraftstandorten und dem Bau der Stromtrassen werde der Lebensraum der Wildkatze nachhaltig und dauerhaft beeinträchtigt.

Bei der Wildkatze handelt es sich um eine Anhang- IV- Art der Fauna- Flora-Habitat (FFH)-Listen mit großem Lebensraumanspruch und der gesetzlichen Erfordernis, diesen Lebensraum in einem günstigen Erhaltungszustand ohne negative Beeinträchtigungen der lokalen Population zu bewahren.
„Alle diese genannten Punkte haben die Friedberger CDU veranlasst, den Planungsverband aufzufordern, dieses Vorranggebiet für Windenergienutzung auf dem Taunuskamm oberhalb von Friedberg nicht auszuweisen“, so Hoffmann abschließend.

« Mit der kernstädtischen CDU durch Fauerbach Friedberger CDU aktiv gegen Windvorrangflächen »