(har) Sportvereine haben eine Zukunft. Da waren sich alle Teilnehmer am 8. Friedberger Stadtgespräch des CDU-Ortsverbands am Mittwochabend im Gruppenraum der Mehrzweckhalle einig. Hierzu waren alle gut 30 Friedberger Sportvereine eingeladen worden und die Resonanz gab den Veranstaltern recht. Über 50 Besucher waren gekommen, darunter viele Vereinsvorsitzende, Abteilungsleiter und Vorstandsmitglieder.

Diese sorgten für eine lebhafte Diskussion, „wie wir sie, mit Ausnahme unseres ersten Stadtgespräch über das Ockstädter Schwimmbad so noch nicht erlebt haben“, so CDU-Stadtverbandsvorsitzender Dr. Herrmann Hoffmann am Ende der gut zweistündigen Veranstaltung, durch die er zusammen mit Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender führte.

Als Gäste konnte Hoffmann auf dem Podium den Sportkreisvorsitzenden Jörg K. Wulf und Daniel Schwarz, im Sportkreis für das Thema „Schule und Verein“ zuständig, begrüßen. Dem Sportkreis gehören aktuell 465 Vereine mit 113 000 Mitgliedern an. Mit der bewusst provozierenden Frage, ob Sportvereine, die aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert kommen, in der heutigen Zeit noch gerechtfertigt sind, gab Hoffmann den Startschuss für den Abend.

Dem stand Wulf in nichts nach: „Das ist ein anachronistisches Modell, aber es sind große soziale, integrative und präventive Vereine, die sich dem geänderten Umfeld anpassen müssen“, erklärte der Sportkreisvorsitzende. Leider habe sich die Politik durch die Gesetzgebung in die Vereine hineingeschlichen, so Wulf, der die Vorsitzenden als Manager sieht.

„Vereine brauchen Phantasie und Kreativität, um weiter zu bestehen“ meinte Wulf. Dessen These, dass die Vereine gut beraten sind, nicht nur das klassische Spektrum anzubieten, sondern sich für neue Trends zu öffnen, traf nicht nur auf Zustimmung. „Wir haben neue Wege versucht, um Jugendliche zu gewinnen und wir haben es nicht geschafft“, meinte Dietmar Kipper vom Skiclub Friedberg.

FDP-Mitglied Roger Götzl aus Bruchenbrücken gab der Einführung von G8 eine Mitschuld, dass sich immer mehr Jungen und Mädchen aus den Vereinen zurückziehen, denn „es fehlt den Kindern und Jugendlichen einfach an Zeit“. Diesen Trend bestätigte Daniel Schwarz, auch wenn zwei wissenschaftliche Studien dies nicht bestätigt haben. Schwarz plädierte für mehr Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen.

„Wenn die Kinder nicht in die Vereine gehen, dann müssen die Vereine dorthin gehen, wo die Kinder sind und das sind nun mal die Schulen,“ so der Lehrer, der Schulen und Vereine aufforderte aufeinander zuzugehen. „Es muss einfach aufhören, dass die Schulen sagen, die Vereine wollen nicht und bei den Vereinen höre ich genau das gleiche, nur umgekehrt“.

Ulrike Blank, Übungsleiterin beim TV Bruchenbrücken, erinnerte an die gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahren, wie die Einführung der Gesamtschulen und stellte fest: „Die Kleinen müssen schon früh funktionieren“. Eine mangelnde Wahrnehmung der Eltern für den Sport sieht Prof. Peter Schubert, Handballabteilungsleiter der TG Friedberg, als Grund für den Nachwuchsmangel in einigen Vereinen. „Es hängt auch viel vom pädagogischen Geschick der Übungsleiter ab“ ergänzte Schubert.

VfB-Vorsitzender Horst Weitzel stieß mit seiner Feststellung, dass „Eltern uns als Dienstleistungsbetrieb sehen und nutzen“ auf viel Zustimmung. Überall werden Kinder nur noch abgegeben und die Bindung der Eltern zum Verein fehlt oft. „Es geht aber auch anders“, erklärte Ellen Guth vom Radfahrverein „Torpedo“ Bruchenbrücken und nannte einige Beispiele aus ihrem Verein.

„Das Vereinsmodell ist nicht überholt, aber veraltet“, stellte Wulf fest. Vereinsarbeit ist für ihn inzwischen ein kommerzielles Geschäft, das ein auf Gewinn ausgerichtetes Angebot hat: „So müssen wir uns verkaufen. Die Professionalität muss mehr werden“. Als positives Beispiel nannte er den Verein „Funball Dortelweil“ mit inzwischen mehr als 4000 Mitgliedern. Dieser wird professionell geführt und wurde ohne traditionellen Hintergrund „einfach aus dem Boden gestampft. Es geht also“(Wulf).

Wulf räumte nach weiteren Redebeiträgen ein, dass es kein Patentrezept gebe. Angesprochen wurde gegen Ende des Abends auch der Zustand der kreiseigenen Sporthallen und das Verhältnis zwischen Kreisverwaltung und Sportkreis. Hier fand Wulf deutliche Worte: „Die Hallen dürfen kein Geld kosten, dann gehen viele Vereine pleite“.

Es könne nicht sein, dass der Kreis Duschen nicht repariere und erneuere mit der Begründung, dass Schulkinder nicht duschen. „Das ist ungeheuerlich“ erklärte Wulf, der feststellte, dass der Sportkreis in der Kreisverwaltung „nicht das Gehör bekommt, das ihm zusteht. Sport und Verwaltung müssen in Zukunft auf Augenhöhe miteinander reden“. Wulf forderte die Unterstützung aller Vereine: „Kommen sie alle zu unserem Sportkreistag 2014“.

Es gebe aber auch positive Beispiele von guter Zusammenarbeit zwischen Verein, Kreis und Kommune, so Schubert, der die gelungene Sanierung der Halle „Am Seebach“ nannte. Hier war die Turngemeinde aktiv beteiligt und stellt nun den Hausmeister. “Es geht nur, wenn alle zusammenarbeiten“, erklärte Schubert. Kurz angesprochen wurde abschließend die städtische Sportlerehrung, die vor einigen Jahren gestrichen wurde. Ein einheitliches Bild ergab sich nicht. Unter anderem wurde der Ablauf der Veranstaltung in den letzten Jahren bemängelt. Wulf stellte das Konzept der Karbener Sportlerehrung mit zwei getrennten Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene vor.

Ob es noch einmal eine Initiative geben wird, die Ehrung wieder einzuführen blieb offen. Doch etwas Gutes habe die Diskussion um die Sportvereine gezeigt, meinte Hoffmann zum Abschluss: „Sport ist ein integratives Element. Heute Abend waren Vertreter von SPD, Grüne, FDP und natürlich CDU hier“. Sicher nicht alltäglich bei einer Parteiveranstaltung.

« Günther Weil mit großer Mehrheit als Vorsitzender bestätigt Raum für neue Familienheime »