(har) Im Mittelpunkt des 2. Friedberger Stadtgesprächs der kreisstädtischen CDU standen keine kommunalpolitischen Themen. Es ging um Grundsätzliches. Am vergangenen Donnerstag besuchte Ole von Beust die CDU Veranstaltung in der Stadthalle, der ehemalige 1. Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, der derzeit durch die Republik reist, um sein aktuelles Buch „Mutproben – Ehrlichkeit, Mut und Konsequenz in der Politik“ zu bewerben.

Jedoch war der Besuch des CDU-Politikers schon geplant worden, „ohne dass wir wussten, dass Herr von Beust zufällig ein Buch über dieses Thema geschrieben hat“, so der Stadtverbandsvorsitzende Dr. Herrmann Hoffmann in seiner Begrüßung. Hoffmann erinnerte an das Versprechen nach seiner Wahl zum Vorsitzenden in der letzten Mitgliederversammlung, „dass wir uns als Kommunalpolitiker verstehen, die nicht nur im Wahlkampf aktiv sind und dazu gehören auch Themen jenseits der Stadtgrenzen“.

Der Kontakt zu von Beust stellte dessen aus der Kreisstadt stammender früherer Büroleiter Torsten Gasser her und der fungierte auch als Fahrer des einstigen CDU-Spitzenmanns. Nur während der Begrüßung stand Hoffmann alleine am Rednerpult. Was folgte, war eine politische Talkshow am Bistrotisch, locker moderiert von Hoffmann und Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender.

Ole von Beust verzichtete darauf, Passagen aus seinem Buch zu zitieren, das übernahmen die beiden kreisstädtischen CDU-Politiker und formulierten daraus ihre Fragen zu den Themenschwerpunkten „Europa, Integration und Zukunft der Volksparteien“. Doch zunächst plauderte Hollender mit von Beust über dessen Jugend in einem Hamburger Naturschutzgebiet und seine frühe Vorliebe für Politik.

Da bekannte von Beust, dass er als Kind „wie ein Affe durch die Baumkronen tobte“ und dass er es auch heute noch genieße, sich zurück zuziehen. „Ich bin relativ ungesellig“, meinte der Hamburger, der in einer „hochpolitischen Familie“ aufwuchs und schon mit 16 in die CDU eintrat. Und das gegen den Willen seines Vaters, der, obwohl unter anderem als Bezirksbürgermeister aktiv, befürchtete, der Sohn würde zu früh in die Politik einsteigen, ohne einen ordentlichen Beruf erlernt zu haben.

Schon als Kind habe er viele Zeitungen gelesen, Wahlplakate der Parteien gesammelt und sich als Christ gefühlt, „obwohl ich von meinen Eltern nur pro Forma christlich erzogen wurde“. Von Beust bezeichnete sich als „Einzelkämpfer“ und die Arbeit als Politiker sei „relativ schnell vordergründig erfolgreich“.

Die Frage, wann er das erste Mal daran gedacht habe, Erster Bürgermeister in seiner Heimatstadt zu werden, beantwortete von Beust lachend: „Eigentlich wollte ich als Jugendlicher Bundeskanzler werden“. Einmal mehr plädierte von Beust für ein starkes vereintes Europa, auch wenn „dieser Standpunkt heute nicht sehr populär“ sei.

So denkt er über gemeinsame gleichzeitige Wahlen in allen Ländern ebenso nach wie über eine gemeinsame Regierung und einen europäischen Präsidenten. „Ein vereintes Europa ist unsere Chance, selbstbewusst unsere europäischen Werte zu vertreten.“. Die enormen Wachstumsraten in Ländern wie China, nannte er beeindruckend und kritisierte den  „Turbokapitalismus im Zeichen des Kommunismus“. Er stelle sich bei Besuchen in Millionenstädten wie Schanghai immer wieder die Frage: „Wo bleibt der Mensch, wo bleibt der Einzelne?“ Wachstum sei bei weitem nicht alles im Leben, denn der Mensch suche Vertrauen und Geborgenheit. Die Rettung der Banken durch den Staat während der Bankenkrise verteidigte von Beust: „Es wurden nicht die Banken gerettet, sondern die Einlagen der Kunden, die sonst vor verschlossenen Türen gestanden hätten“.

Von Beust nannte das Phänomen, Geld mittels „nicht mehr begreifbarer Konstrukte“ zu verdienen „eine gewisse Perversion“. Intensiv warnte er vor einer „europafeindlichen Spirale“ und bezeichnete es als Glücksfall, „dass wir in Deutschland keine große rechtspopulistische Partei haben“.

Zu diesem Themenblock gab es denn auch die meisten Fragen der Besucher. Die Frage, warum in Deutschland eine europäische Vorgabe, wie zur Vorratsspeicherung nicht umgesetzt werde, beantwortete von Beust deutlich: „In solchen Punkten gegen Europa zu sein, ist ein dicker Hund“.  Er kritisierte das Verhalten von Justizministerin Leutheuser-Schnarrenberger: „So ist das halt in einer Koalition, normalerweise müsste man sie rauswerfen, doch dann wäre die Koalition vorbei“.

Beim Thema Integration plädierte von Beust für die doppelte Staatsbürgerschaft, denn „sich als in Deutschland geborener Türke mit 18 für eine Staatsbürgerschaft zu entscheiden, das halte ich für sehr problematisch“. Bei vielen Migranten schlagen zwei Herzen in der Brust und „das ist nun mal so“.

„In Sachen Integration können wir viel zum Nutzen unseres Landes tun, sowohl wir als deutsche als auch die Zugewanderten“, so von Beust, der abschließend kurz auf die Zukunft der Volksparteien und den Erfolg der Piraten einging: „Die Piraten werden gerade gewählt, weil sie kein Programm haben“. Deren Forderung nach totaler Transparenz bezeichnete er als „grausam“.

Die Frage, was ist konservativ heute, stelle sich für ihn so nicht, erklärte er, denn „mit Konservativ als politischem Etikett kann ich nicht viel anfangen“. Dagegen stehe er für christlich-demokratische Inhalte. „Ich würde jederzeit wieder in die CDU eintreten“, bekannte der einstige Spitzenpolitiker, der als Dank für das überaus kurzweilige und unterhaltsame Gespräch von Hoffmann und Hollender eine Flasche Ockstädter Kirschwasser erhielt. Anschließend signierte von Beust noch sein Buch signierte, das von der Buchhandlung Bindernagel angeboten wurde und weg ging wie die berühmten warmen Semmeln.

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