(mur) Über 160 Bürger Friedbergs fanden sich am vergangenen Freitag in der Stadthalle ein, wohin die CDU Friedberg zu ihrem Neujahrsempfang geladen hatte. Als Gastredner präsentierte man in diesem Jahr mit dem hessischen Finanzminister Dr. Thomas Schäfer einen echten Hochkaräter. Weiterer Redner war MdL Tobias Utter, der mit dem Präsidenten des Hessischen Landtags Norbert Kartmann im Gepäck zu der Veranstaltung erschien.

 Der Friedberger CDU-Vorsitzende Dr. Herrmann Hoffmann begrüßte jeden Gast persönlich. An seiner Seite standen der Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender und der Schornsteinfegermeister Bernd Fleck in Berufstracht, der für jeden einen „Glückscent“ dabei hatte. Die Junge Union Friedberg versorgte die Gäste mit Sekt und Orangensaft.

Nachdem Hoffmann die Veranstaltung offiziell eröffnet hatte, bekam Utter die Gelegenheit, in einem Grußwort von der Stimmung im Hessischen Landtag zu berichten. Er lobte dabei die Arbeit des Ehrengastes. Schäfer verstünde es in vorbildlicher Weise, komplexe Vorgänge für jeden verständlich darzustellen. Utter zeigte sich erfreut darüber, dass die B3a nun kurzfristig weitergebaut wird, auch auf die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen kam Utter zu sprechen. Diese stärke die gesamte Region als wirtschaftlichen Motor des Landes. Anstatt aber den Flughafen als große Chance zu begreifen, würde in der öffentlichen Wahrnehmung oft nur über Lärm geredet. Da sei die CDU anders. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand wenn es schwierig wird. Wir sind auch keine Wutbürger, sondern Mutbürger, die die Dinge anpacken.“, so Utter zu den Gästen des Neujahrsempfangs.

Nach dem Grußwort Utters trug Julia Pfahl von der Musikschule Friedberg ein musikalisches Intermezzo vor.

Bei der Vorstellung des Ehrengasts kam Hoffmann auf die Frage des Abends zu sprechen; „Sind unsere Ersparnisse sicher?“ Das Thema sei vielen Einflüssen ausgesetzt und hochkomplex. Sehe man sich den Erfolg der Piratenpartei an, die ohne erkennbares Konzept in den Berliner Landtag eingezogen sei, könne man zu dem Schluss kommen, die Welt sei vielen zu kompliziert geworden.

Schäfer begann seinen Vortrag mit einem scherzhaften Hinweis: „Wäre es nicht besser gewesen, sie hätten einen Hellseher eingeladen, um ihre Fragen zu beantworten als einen Finanzminister?“ Garantien könne niemand geben, die Verschuldung werde uns auch weiter begleiten. Aber es wäre wichtig, die wirtschaftlichen Ausschläge wieder auf ein Normalmaß zurückzuführen. Es dürfe nicht vergessen werden, dass nach der Wirtschaftskrise 2008 die Wirtschaftsleistung um 5 % zurückgegangen ist. Dennoch sei Deutschland hiernach besser aus der Krise herausgekommen als jedes andere Land in Europa. Zu verdanken sei das klugen politischen Entscheidungen und einem besonnenen Verhalten der Tarifpartner, die auf Massenentlassungen verzichtet und das von der Bundesregierung gewährte Instrument der Kurzarbeit genutzt hätten. Dass dies alles den in Deutschland ansässigen Unternehmen und ihren Mitarbeitern genutzt hat, habe sich alsbald herausgestellt.

Immer wieder höre er das Argument, man könne doch auch dem Euro den Rücken kehren und die D-Mark wieder einführen. Wer das aber fordere, verkenne dass eine D-Mark dann im Verhältnis zum Euro einen 25 bis 40 % höheren Wert hätte. Wenn man wisse, dass Deutschland eine Exportnation ist, könne man sich die negativen Folgen einer Wiedereinführung der D-Mark leicht ausrechnen. Es käme zu einem Exporteinbruch, der nach Schätzungen von Experten zu einem dauerhaften Verlust von 7-8 Millionen Arbeitsplätze führen würde. Zwei Drittel aller Arbeitsplätze hingen am Export; wobei 40% der Exporte in die Eurozone ausgeführt würden. Wer China als die alles bestimmende Wirtschaftsmacht darstellt, unterschätze die Tatsache, dass die Summe der Exporte nach Belgien und Luxemburg größer ist als die Exporte nach China.

Früher hätten sich Staaten wie Italien und Griechenland mit dem Mittel der Abwertung ihrer Landeswährung beholfen, um ihre Wirtschaft anzukurbeln. Das sei nach Einführung des Euros nicht mehr möglich. Deswegen profitiere in erster Linie Deutschland vom Euro. Dann sei es auch in Ordnung, wenn Deutschland auch die Hauptlast trägt. Ein Kompliment sei der Bundeskanzlerin Angela Merkel zu machen, die den Stabilitätskurs entschlossen durchgesetzt und erfolgreich für die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank gekämpft habe.

Im Übrigen sei die Wut der Griechen auf die von der EU verhängten Sanktionen verständlich. Auch in Griechenland könne man sich schließlich noch an die Stabilitäts-Verstöße Deutschlands unter der Regierung Schröder erinnern, die damals nicht sanktioniert wurden. Die Rettung Griechenlands sei im Übrigen von entscheidender Bedeutung für das Vertrauen in Europa. Dies liege nicht an der relativ geringen Wirtschaftsleistung Griechenlands. Viel entscheidender sei die Frage, ob Europa es verhindern kann, dass ein Land umkippt. Mit Argusaugen beobachteten mögliche Investoren in den USA und anderswo auf der Welt die Entwicklung in Europa. Sie würden erst dann wieder Vertrauen in den Euro fassen, wenn es gelingt, die bestehenden Probleme zu meistern.

Europa blicke auch weiterhin gebannt auf Deutschland bei der Frage ob die Schuldenbremse eingehalten werden kann. „Wir haben 40 Jahre auf hohem Niveau gelebt, egal wie die Kassenlage ausgesehen hat.“, erklärte Schäfer. Hier müsse man zukünftig Abstriche machen, wenn man den „Turnaround“ schaffen wolle. Die Schweiz habe das vor Jahren schon vorgemacht. Dort sei es zu einem Anstieg der Verschuldung von 15% auf 30 % des Bruttoinlandsprodukts gekommen, bevor man die Schuldenbremse gezogen hat. Die Schweiz habe in der Folge die Verschuldung auf 20 % zurückführen können. Deutschlands Verschuldung liege derzeit bei 83% des BIP.

„Wenn wir bereit sind, uns eine Weile zusammenzureißen, kann uns auch gelingen, was die Schweiz geschafft hat.“, rief Schäfer den Gästen der CDU zu. Dies setze aber die Erkenntnis voraus, dass man sich nicht mehr alles leisten könnte, was wünschenswert ist. Man dürfe keine Angst vor unbequemen Entscheidungen haben. Mit diesen Fazit schloß Schäfer seinen Vortrag. Hoffmann bedankte sich für die CDU Friedberg mit einem leckeren Hochprozentigen aus Ockstadt bei Schäfer und wünschte allen Gästen noch einen schönen Abend.

Den Abend schloss Rolf Janssen von der Musikschule Friedberg mit treffenden Worten. Er sang „What a lucky day.“

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