(hro) Ein kurzweiliger Rückblick auf teilweise außerordentlich bewegte Zeiten, Grußworte, Danksagungen und die Ehrung dreier „50-jähriger“ Mitglieder standen im Mittelpunkt des Festaktes, mit dem der CDU-Ortsverband Ockstadt sein 50-jähriges Bestehen feierte. In seiner Festrede skizzierte Landtagspräsident Norbert Kartmann die Anfänge der hessischen CDU und ihre Entwicklung zur „starken Volkspartei“, er erinnerte auch an den Aufbau der CDU in Ockstadt und dem früheren Landkreis Friedberg. Mit dem langjährigen ehemaligen Vorsitzenden Theo Heß sowie mit Werner Heinze und Robert Mörler standen später drei Mitglieder der ersten Stunde auf der Bühne und nahmen aus der Hand des stellvertretenden Kreisvorsitzenden Tobias Utter, MdL, sowie des CDU-Ortsverbandsvorsitzenden Günther Weil Ehrenurkunde und Geschenke entgegen. Den musikalischen Rahmen gestaltete die Gruppe „Flauto Vivo“ der Musikschule Friedberg.

Ehrung für 50jährige Mitgliedschaft. Vordere Reihe von links nach rechts: Theo Heß, Robert Mörler, Werner Heinze mit Günther Weil. Hintere Reihe: die Gratulanten von links nach rechts: Tobias Utter, Mdl, Olaf Beisel - Vorsitzender des CDU Stadtverbandes Friedberg, Hendrik Hollender - Stadtverordnetenvorsteher, Norbert Kartmann, MdL

Ehrung für 50jährige Mitgliedschaft. Vordere Reihe von links nach rechts: Theo Heß, Robert Mörler, Werner Heinze mit Günther Weil. Hintere Reihe: die Gratulanten von links nach rechts: Tobias Utter, Mdl, Olaf Beisel - Vorsitzender des CDU Stadtverbandes Friedberg, Hendrik Hollender - Stadtverordnetenvorsteher, Norbert Kartmann, MdL

Unter der Ägide der amerikanischen Militärregierung begann nach der Kapitulation Deutschlands und dem Untergang der NS-Diktatur der Neuaufbau demokratischer Strukturen. In Hessen durften sich ab August 1945 Parteien auf Kreisebene, ab November 1945 auch auf Landesebene bilden. In Ockstadt, wo vor 1933 die aus dem politischen Katholizismus des 19. Jahrhunderts hervorgegangene Zentrumspartei großen Einfluss gehabt hatte, kandidierten bereits 1946 Mitglieder der neu gegründeten Christlich Demokratischen Union für den Gemeinderat, ohne dass es allerdings eine Parteiorganisation auf Ortsebene gab. Nach der Wahl stellten die Christdemokraten die zweitstärkste Fraktion im Gemeindeparlament.

Im seinerzeit „roten Hessen“ war solch ein Ergebnis außergewöhnlich. Als – dramatisch beflügelt durch den vom Mauerbau im August 1961 ausgelösten Schock – eine Welle von CDU-Ortsverbandsgründungen über Hessen rollte, wurden zunächst die Orte mit katholischen Grundstrukturen erfasst. Ockstadt war dabei. Erster Vorsitzender der jungen Parteiorganisation wurde derjenige, der die Gründung vor allem betrieben hatte, Walter Kowollik. Dass das Erstarken der CDU zur Volkspartei noch Anfang der 1960er Jahre eher belächelt wurde und niemand sich vorzustellen vermochte, an der Spitze Hessens könnten einst christdemokratische Ministerpräsidenten stehen, schilderte Norbert Kartmann anschaulich.

Selbst seit über 40 Jahren (kommunal-)politisch in dieser Region aktiv, konnte Kartmann aus eigenem Erleben manche Anekdote beisteuern. Eine davon handelte von seiner persönlichen Bindung an das Bürgerhaus Ockstadt. Hier wurde er einst aus einer fünfköpfigen Bewerberriege zum CDU-Kandidaten des Kreisverbandes Friedberg für die Landtagswahl 1982 gekürt. Er habe, so seine augenzwinkernde Erinnerung, an dem Abend gewonnen wohl eher trotz des Anzuges, den er sich eigens hatte schneidern lassen, vorab aber nicht anprobiert hatte und der ihm viel zu weit war: „Ich habe ihn danach nie mehr getragen!“

Günther Weil begrüßt Landtagspräsident Norbert Kartmann

Günther Weil begrüßt Landtagspräsident Norbert Kartmann.

Politik, so Kartmann, sei nach wie vor eine ebenso faszinierende wie anspruchsvolle Tätigkeit. Sie fordere „den ganzen Menschen“ und sei durch soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook nicht zu ersetzen. „Politik lebt davon, dass man sich auseinandersetzt, innerhalb der Partei, innerhalb von Bündnissen, in den Parlamenten. Wettstreit gehört zur Politik, ohne Diskussion, auch ohne strittige Diskussion, ist Demokratie nicht denkbar“, betonte Kartmann. Der Ockstädter CDU bescheinigte er, in die Ortsgemeinschaft sehr deutlich spürbar eingebunden zu sein, was nicht nur der kontinuierliche Erfolg bei Wahlen, sondern auch die Anwesenheit der Abgesandten sämtlicher anderen Ortsvereine offenkundig mache. „Die CDU Ockstadt gehört zu den erfolgreichsten Verbänden des Kreisverbandes Wetterau“, erklärte Kartmann unter dem Beifall der Versammelten.

Ortsverbandsvorsitzender Günther Weil nutzte seine Begrüßungsrede auch zu einer Standortbestimmung. Ein Blick zurück sei keinesfalls nur das Schwelgen in Erinnerungen, vielmehr erlege die Vergangenheit den heute Agierenden Pflichten für Gegenwart und Zukunft auf. Kluge Politik könne schwierige Situationen meistern, aber sie könne nicht alles allein. Stets – auch und gerade in Krisenzeiten wie der jetzigen – sei die Gesellschaft „angewiesen auf Bürger, die sich einsetzen, einmischen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“. Für Christdemokraten sei wichtig, sich zu ihren christlichen Werten zu bekennen; das „C“ im Namen stehe nicht für eine Glaubensgemeinschaft, aber es fordere Glaubwürdigkeit ein. Dies bedeute, „dass wir den wahren Menschen, den Menschen, wie er wirklich ist, in unsere Mitte nehmen“, betonte Weil.

In Grußworten brachten Friedbergs Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender, der stellvertretende CDU-Kreisvorsitzender Tobias Utter, MdL (auch im Namen der Parteivorsitzenden Staatsministerin Lucia Puttrich), CDU-Stadtverbandsvorsitzender Olaf Beisel und Erster Stadtrat Peter Ziebarth (auch im Namen von Bürgermeister Michael Keller) ihre Verbundenheit mit der Ockstädter CDU zum Ausdruck. Für die geschlossen angetretenen Vertreter der Ockstädter Ortsvereine sprach Thomas Müller (Geflügelzuchtverein) die Glückwünsche aus. Ortsverbandsvorsitzender Günther Weil holte danach alle diejenigen auf die Bühne, die sich an den Vorbereitungen des Festakts und der Erstellung der lesenswerten Festschrift beteiligt hatten, und überreichte ihnen ein flüssiges Dankeschön.

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