(har) Handwerk hat bekanntlich goldenen Boden, doch nur wenige Handwerker arbeiten mit dem wertvollsten aller Edelmetalle. Eine davon ist Birgit Küchenmeister, die seit mehr als zehn Jahren als Vergoldermeisterin tätig ist. Über ihre Arbeit erzählte beim Stadtgespräch der CDU im »Hüttchen« ebenso wie Schreinermeister Andreas Ruhrig und Uhrmachermeister Michael van Bömmel. Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender führte humorvoll durch den Abend. Seine Frage, ob Handwerk denn nun noch goldenen Boden und vor allem eine Zukunft habe, blieb allerdings unbeantwortet. Die drei Handwerksmeister – ein weiterer hatte kurzfristig abgesagt – jedenfalls konnten sich über die aktuelle Auftragslage nicht beschweren.

»Ich habe derzeit Arbeit für drei Monate«, sagte Andreas Ruhrig, der in seiner Schreinerei im alten Ortskern von Bruchenbrücken sechs Mitarbeiter beschäftigt, darunter zwei Auszubildende. Hollenders Frage, ob es denn nun Tischler oder Schreiner heiße, beantwortet Ruhrig so: »Beides ist richtig, im Süden heißt es Tischler, im Norden Schreiner.«

Als Vorstandsmitglied des Gewerbevereins präsentierte sich Ruhrig auch auf der Messe Wetterau. »Ein großes Geschäft macht man da nicht. Aber es ist eine gute Chance, sich bekannt zu machen.« Sind Schreiner in der Bevölkerung bekannt, so ist dies bei den Vergoldern anders, obwohl es sich um einen der ältesten Handwerksberufe überhaupt handelt. »Ich habe keine Laufkundschaft. Ich werde gezielt angesprochen, per Telefon oder E-Mail«, erzählte Birgit Küchenmeister. Die Vergolderin ist kürzlich mit ihrer Werkstatt nach Ockstadt umgezogen, war zuvor als Untermieterin im Musikhaus Ortel tätig. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Restaurierung von Bilderrahmen, Statuen und anderen alten Gegenständen. Aktuell arbeitet sie an der Restaurierung der russischen Kirche in Bad Nauheim mit und restauriert eine Madonna aus dem Kloster Engelthal. Manchmal stellt sie auch etwas Neues her. So vergoldete sie vor einigen Jahren Teile neuer Yachten. »Da haben wir im Akkord vergoldet«, meinte sie.

Ausführlich erläuterte Küchenmeister ihre arbeitsintensive Tätigkeit mit dem hauchdünnen Blattgold. Leider gibt es derzeit wenig Nachwuchs, sodass sogar eine Schließung der Münchner Berufsschule, in der als einzige in Deutschland das Handwerk noch gelehrt wird, erwogen wurde.

Den Marktveränderungen angepasst haben sich dagegen die Uhrmacher, erzählte UhrmachermeisterMichael van Bömmel, Inhaber des über 120 Jahre in Familienbesitz befindlichen Uhrenhauses Burck auf der Kaiserstraße. Uhren könne er natürlich noch herstellen, wenn er wolle. »Aber das ist nicht mehr lukrativ.« So sind Reparatur und Restaurierung der Schwerpunkt der Uhrmacherei. Längst ist das Traditionsgeschäft im Internet präsent. »Unser Internet-Shop ist unser zweites Standbein geworden«, sagte van Bömmel. In seinem Betrieb werden alle Uhren repariert, nicht nur die, die in seinem Geschäft gekauft wurden. Jedoch schicken manche Markenfirmen keine Ersatzteile. Van Bömmel: »Die wollen selbst reparieren.« Einen Wunsch an die Kommunalpolitik äußerte der Uhrmachermeister am Ende des Abends: »Gehen Sie bitte mit unserem Herzstück Kaiserstraße sorgsam um.«

Quelle: Wetterauer Zeitung, 15.07.2015, Seite 22

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