(hol) Deutschland will bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straßen bringen. Bis zum Jahr 2030 soll diese Zahl sogar auf 6 Millionen steigen. Nach Angaben der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) waren im Dezember 2014 aber nur rund 24.000 Elektroautos bundesweit zugelassen, in der Wetterau sind es genau 104. Gut ein Dutzend davon sind in Friedberg registriert (8 Privat-Fahrzeuge, 4 bei der Ovag, 2 weitere bei den Stadtwerken Friedberg). Steuererleichterungen, Kaufanreize oder Prämien, wie zB. in Norwegen gibt es in Deutschland nicht. Was also macht die Elektromobilität attraktiv? Was passiert in Friedberg?

Die CDU Friedberg griff das Thema auf und lud einen Experten, Herrn Dipl.-Ing. Erich Mertins, ins Hüttchen der Turngemeinde ein. Die stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Hendrik Hollender und Patrick Stoll führten die zahlreich erschienenen Gäste durch einen interessanten Abend.

Elektro-Autos sind geräuscharm, punkten mit einer zügigen Beschleunigung, benötigen keine Feinstoffplakette. Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybridmotoren gelten als umweltfreundliche Alternative zum Pkw mit Verbrennungsmotor. Geringe Betriebs-, und Unterhaltskosten bieten klare Vorteile, da ein Elektroauto mit Strom statt Benzin bzw. Diesel betankt wird. Elektromotoren sind zudem weniger wartungsintensiv als Verbrennungsmotoren. Doch noch immer stehen den Vorteilen hohe Anschaffungskosten, geringe Reichweite und eine nahezu nicht vorhandene Infrastruktur zum Wiederaufladen gegenüber. Nachteile, auf die man sich als Nutzer aber einstellen kann, sagt Mertins. Er möchte, dass mehr Ladesäulen in der Wetterau errichtet werden, nicht nur für Fahrräder mit Elektromotor. „Ohne größeren logistischen Aufwand könnten Cafés und Gewerbetreibende Steckdosen installieren und anbieten“, weiß der Experte. Ein E-Fahrrad sei mit 30 Cent wieder „vollgetankt“. Mit entsprechender CEE-Steckdose sei auch eine Schnellladung mit 400 Volt für Autos möglich. Während das Fahrzeug aufgeladen werde, könne der Kunde bequem Kaffee trinken oder einkaufen. Ein Beispiel, dem Aldi Süd folge. 50 Ladestellen wolle der Konzern den Kunden zur Verfügung stellen, u.a. auch in Bad Vilbel. Andere Supermärkte folgen dieser Idee bereits. Entsprechende Boxen inkl. Sicherung und Kabel berechnet Mertins mit ca. 150 Euro. In Friedberg, Karben, Gießen, Nidda und Alsfeld gibt es fünf hilfreiche Anlaufpunkte, die in ihrer Anschaffung allerdings deutlich teurer waren- die Elektrotankstellen der Ovag Energie AG. Genauer: in Friedberg am Goetheplatz (direkt vor dem Dienstleistungszentrum des Wetteraukreises), in Karben vor dem Hallenbad, in Nidda vor dem Rathaus am Wilhelm-Eckhardt-Platz sowie eine in Alsfeld und Gießen. Die Benutzung ist denkbar einfach: Den Schlüssel für den Poller (nur in Friedberg) und die Chipkarte abholen, die Karte vor das Steckdosen-Symbol halten, Klappe öffnen und das Kabel einstecken, fertig. Doch gibt es auch hier Nachteile. Die Ovag habe schon Erfahrungen mit Vandalismus gesammelt, ebenso wurden bereits Fahrzeuge länger auf den Plätzen abgestellt. Die „Zapfsäule“ war somit blockiert. Auf der Suche nach weiteren geeigneten „Tankstellen“-Standorten fielen auch Vorschläge wie Schwimmbad oder Parkhaus. Weitere Anregungen des Dialogs, Car-Sharing mit E-Autos, das Elektromobil als Zweitwagen. Während die Zahl der E-Autos ja noch sehr gering sei, liege die Anzahl der E-Fahrräder in Deutschland bereits bei zwei Millionen. „Ich bin mir aber sicher, dass wir in zehn Jahren auch einen Umbruch bei den E-Autos erlebt haben“, so Mertins optimistisch.

Ob auch Friedberg den Umbruch erleben wird, ist unklar. „Bürgermeister Keller ist an Elektromobilität offenbar nicht interessiert“, erklärt Stoll. Im Juli vergangenen Jahres habe die Stadtverordnetenversammlung auf Antrag der CDU den Magistrat einstimmig beauftragt, ein Konzept für mehr Stromtankstellen in Friedberg vorzulegen. Bis heute sei im Rathaus aber nichts geschehen.

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