(hol) Wie ein schneller  Ritt durch die Geschichte war der Besuch von CDU Stadtverband und Fraktion zusammen mit ihren Vorsitzenden Dr. Hermann Hoffmann und Olaf Beisel sowie dem Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender im bekannten Friedberger Brauhaus auf der Kaiserstraße. Dessen neuer Betreiber Sandro Lorenzi hatte sich bestens vorbereitet und  wartete mit einer umfangreichen Dokumentation über die Geschichte des Hauses auf. So bestand das Gebäude ursprünglich aus zwei Anwesen, der Kaiserstraße 37 und der Kaiserstraße 39. Die Nummer 39 wurde im Brandkataster von 1893 erwähnt und dem Eigentümer Johann Georg Weiß zugeschrieben. Obwohl das Gebäude deutlich älter sein muss, ist ohne Zeitbezug nur Wilhelm Kreuter II als ein vorheriger Eigentümer bekannt. Genutzt wurde das Haus bis 1955 als Metzgerei und ab 1955 als Autovermietung. Irgendwann ab 1962 wurde das Haus mit der Nummer 39 verschmolzen und nicht mehr separat erwähnt.

Anders die Geschichte des Gebäudes Kaiserstraße 39. Erstmals urkundlich erwähnt im Jahre 1294 mit der Eigentümerin Gertrudis dicta Culbenn und dem Namen "Zum Kolben", was auf das Mittelhochdeutsche Kolbe deutet, also Kolben oder Keule, reicht die verbürgte  Eigentümerliste  über das 19. Jahrhundert bis heute mit immer noch stadtbekannten Namen wie Müller, Rupp, Horn, Langstrof und Lange. Vor allem im letzten Jahrhundert wies das Gebäude ganz unterschiedliche geschäftliche Nutzungen auf. So reichten die Geschäftsideen ab 1902 vom Handel mit Weißwäsche, Textilien und Spielsachen bis zum Betrieb der dem einen oder anderen immer noch bekannten "Oase Bar" von 1953 bis 1965. Ein Treffpunkt der damaligen deutschen Jugend und amerikanischer  GI´s mit angesagter Musik von Elvis Presley, Buddy Holly und Bill Haley . Bis 1979 wurden die Räume von einer Bank und einem Hotel genutzt, in den Jahren 1980 bis 1986 befand sich dort ein Sexshop. Im Mai 1989 wurde dann das Brauhaus unter dem damaligen Hausherrn Gottfried Langstrof eröffnet und von Bürgermeister Dr. Ludwig Fuhr zünftig mit einem Fassanstich und einem ersten Trunk des hausgebrauten Biers eingeweiht. Im Erdgeschoss wurde dem Gast eine kupferne Mikrobrauerei als Blickfang geboten. Im ersten Geschoss wurde ein Restaurant etabliert, darüber Wohnungen für den Braumeister und weitere Mitarbeiter. Im Jahr 1994 wurde die Braustube durch den neuen Besitzer, den kürzlich verstorbenen Walter Groß, geschmackvoll ausgebaut und weiter betrieben, kam aber in den letzten Jahren geschäftlich in schwieriges Fahrwasser.

Einen Neuanfang wagt nun Sandro Lorenzi mit seinem Restaurant unter altem Namen. Mit sieben festen Mitarbeitern und 4 Minijobbern sowie notwendigen Investitionen in Fassade, Küche und Schankraum wurde der Betrieb im Restaurant und auf der Terrasse zur Kaiserstraße im Mai aufgenommen. Es wird zwar nicht mehr selber gebraut. Ausgeschenkt werden die Spezialitäten der Biermanufaktur Engel aus Crailsheim. "In vielen Unternehmen, die wir besucht haben, wurde über ein zu kleines gastronomisches Angebot in Friedberg geklagt", so Hoffmann zum Abschluss des Besuchs, "hier aber setzt jemand mit Geschäftssinn eine gute, alte Tradition mit neuem Elan in diesem Bereich fort - und von der Qualität des Angebots konnten wir uns persönlich überzeugen. Das tut Friedberg richtig gut - wir wünschen Herrn Lorenzi und seinem Team viel Erfolg."

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