Mit Verwunderung hat die Junge Union Friedberg auf die jüngste Pressemitteilung von Bürgermeister Michael Keller zum Thema Wolfengasse reagiert und meldet sich erneut zu Wort. Die Jugendorganisation hatte bereits im Juni 2013 zum Thema Verkehrsberuhigung der Wolfengasse Stellung bezogen und nach einer eigens durchgeführten Verkehrszählung eine Umwidmung in eine Fußgängerzone strikt abgelehnt. „Es ist sehr schade, wie uninteressiert unser Bürgermeister an der Meinung anderer zu sein scheint“, schreibt die Junge Union. Erneut setze er sich kommentarlos über die zahlreich geäußerten Kritikpunkte vieler Bürger, Einzelhändler und Vereine aus Friedberg hinweg und „ziehe eben sein Ding so durch, wie er es will“.

Friedbergs Bürgermeister hatte in der Wetterauer Zeitung mitgeteilt, dass das Gutachten zur Wolfengasse ergeben habe, dass die Einrichtung einer Fußgängerzone „prinzipiell machbar“ sei. „Grundsätzlich ist doch alles irgendwie prinzipiell machbar“, so die JU-Vorsitzende Rebecca Riesener. „Prinzipiell könnte man bestimmt auch einen riesigen Parkplatz aus der Wolfengasse oder einen Freizeitpark aus dem Burggelände machen. Ob etwas machbar ist oder nicht, sagt doch aber nichts darüber aus, ob es auch sinnvoll ist“. Außerdem wäre es angebracht, dass die Ergebnisse der Verkehrszählung baldigst öffentlich zugänglich gemacht würden und nicht in irgendeiner Schublade der Verwaltung verschwinden, so die JU. „Daneben interessiert uns das Ergebnis natürlich auch persönlich, immerhin hatte unsere eigene Verkehrszählung letztes Jahr ergeben, dass etwa 350 Fahrzeuge pro Stunde über die Wolfengasse auf die Kaiserstraße einfahren“, so der Stellvertretende JU-Vorsitzende Thomas Valentin.

Die Entscheidung, ob aus der Wolfengasse eine Fußgängerzone wird, so Bürgermeister Keller, soll erst in der Stadtverordnetenversammlung fallen. „Aber seien wir doch mal ehrlich“, so die JU, „es wäre schon sehr verwunderlich, wenn die SPD-Fraktion im Stadtparlament anders stimmt, als es ihr eigener Bürgermeister will und ja auch ganz offiziell schon jetzt als seinen Wunsch in der Presse verlautbaren lässt“, so die JU. Mit derartigen Äußerungen setze er zugleich seine eigene Fraktion unter Zugzwang, denn in den Rücken des eigenen Bürgermeisters wird diese verständlicherweise nicht fallen wollen. Die Entscheidung durch das Stadtparlament sei da also dank einer rot-grünen Mehrheit mehr Schein als Sein.

Deutliche Kritik übt die JU insbesondere an der fehlenden Bürgerbeteiligung. Es könne nicht richtig sein, dass in Friedberg einfach alles so gemacht werde, wie es einigen wenigen „halt in den Kram passe“. Aus Sicht der zwei ansässigen Gastronomen und auch der Anwohner sei es sicherlich verständlich, dass sich diese für eine Sperrung der Straße ausgesprochen hätten, einen Gewinn für die Kaiserstraße oder ganz Friedberg kann die JU hierin jedoch auch nach einem weiteren Jahr nicht erblicken. Die Bevorzugung dieser einen Straße sei nicht nachvollziehbar, bevor man sich nicht endlich um die Umgestaltung des Gesamtkonstruktes Kaiserstraße kümmere. „Hier betreibt man Flickwerk. Erst wird der Elvis-Presley-Platz für viel Geld umgestaltet, dann wird an dieser Ecke ein bisschen was gemacht und dort etwas angepinselt. Wäre es nicht sinnvoller, wenn man sich endlich ein Konzept für die gesamte Kaiserstraße erarbeiten würde?“, kritisiert die JU. In diesem Zusammenhang weisen die Jungpolitiker auch auf den Entwurf des „Friedberg Forum“ hin, die sich ehrenamtlich mit viel Wissen, Können und Ideen Gedanken um die Zukunft der Friedberger Einkaufsstraße gemacht hatten, dieses Konzept in der Stadtverordnetenversammlung aber leider durchfiel. Fakt sei aber natürlich auch, dass auch Friedberg derzeit mit einem defizitären Haushalt zu kämpfen habe. Insbesondere vor diesem Gesichtspunkt sei ein bewusster Umgang mit dem eigentlich gar nicht vorhandenen Geld angebracht, um den Haushalt auszugleichen und wieder schwarze Zahlen zu schreiben. „Wunschprojekte der rot-grünen Koalition wie Elvis-Presley-Platz, Quartiersmanagement, Bike&Ride-Parkplatz am Bahnhof und Wetteraumuseum sind in finanziellen Zeiten wie diesen einfach nicht angebracht. Wir sind die Generation, die diese Fehlentscheidungen dann ausbaden darf“, so Valentin und Riesener.

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