Es war fast auf den Tag genau ein Jahr her, als die Friedberger Stadthalle gestopfte voll war und die Gäste des CDU-Neujahrsempfangs auf Ministerpräsident Volker Bouffier warteten. Der aber kam nicht. Die Koalitionsverhandlungen in Berlin verhinderten den Auftritt. Damals standen Landtags- und Landratswahl bevor, die politische Situation nach der Bundestagswahl war aufgeheizt, an den Einlasskontrollen bildeten sich lange Schlangen. Diesmal war die Stadthalle nur zu zwei Dritteln gefüllt, viele Stühle blieben leer. Obwohl auch 2019 eine Wahl ansteht, die, wie Bouffier sagte, enorm wichtig ist: die Europawahl am 26. Mai.

Dazu gleich mehr, zuerst muss die Geschichte von Bouffiers heimlichem Besuch eines Elvis-Konzerts erzählt werden. Die Stadtkapelle Friedberg, die den Neujahrsempfang der CDU Wetterau und des Friedberger CDU-Stadtverbandes musikalisch umrahmte, hatte vor Bouffiers Rede ein Elvis-Medley gespielt. Was den Ministerpräsidenten dazu animierte, über seinen vermutlich ersten Friedberg-Besuch (»Ich weiß nicht, wie oft ich schon hier war«) nachzudenken. Er sei damals vielleicht Zehn gewesen, die Tante eines Freundes arbeitete »bei den Amis«. Und zwar in Friedberg, wo Elvis Presley stationiert war.

Als die beiden frühreifen Rock’n’Roll-Fans erfuhren, dass Elvis im Capri-Club auftrete und die Tante die beiden »reinschmuggeln« könne, bestiegen sie kurzerhand in Gießen den Zug. »Zuhause haben wir davon nichts erzählt. Unsere Eltern hätten uns das verboten.« Im Capri-Club kämpften sie sich dann Stück für Stück nach vorne an den Bühnenrand. »Ich kann von mir sagen, dass ich Elvis fünf Minuten lang live aus nächster Nähe erlebt habe«, verkündete Bouffier und fügte schmunzelnd hinzu: »Ich bin mir aber nicht sicher, ob er sich später noch an diese Begegnung erinnert hat.«

Bouffier war gut aufgelegt. Er plauderte, kramte in der Erinnerungskiste, scherzte über Regierungspläne (er wolle Verkehrsprobleme auch mit Seilbahnen lösen, wisse nur nicht, ob man die Masten aufstellen dürfe) genauso wie über Politiker, die in Sitzungen nicht den Blick vom iPhone nehmen können (was der Ministerpräsident offenbar nicht weiß: die verfolgen die Debatte im Live-Stream). Und er gab druckreife Aphorismen zum Besten: »Verantwortliche Führung bedeutet nicht, jedesmal den Saal zum Kochen zu bringen«, schrieb er allen sich populistisch gebärdenden Politikern der Rechten und der Linken genauso wie den Herren Putin oder Trump (»der Meister der Unberechenbarkeit«) ins Stammbuch.

Womit wir bei der Politik sind, die den größten Teil seiner einstündigen Rede einnahm. Kein anderes Land profitiere so stark von der Europäischen Union wie Deutschland, für Hessen gelte das ganz besonders. Und doch gebe es Parteien wie die AfD, die Europa zerstören wollten. Wie die Briten, die momentan »ein Bild des Jammers« abgäben. Europa bedeute ein Miteinander der Staaten. »Wir dürfen diese große Idee nicht kaputtmachen.« Oder, um’s bildlicher auszudrücken: Bad Nauheim und Friedberg hätten »auch nicht immer die gleichen Interessen«, kämen aber gut miteinander aus. Der Schlüssel zum Erfolg sei die Kompromissfähigkeit: »Wer nicht zu Kompromissen in der Lage ist, ist auch nicht politikfähig.« Am Ende erntete Bouffier Standing Ovations und den obligatorischen Fresskorb.

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Bernd Wagner hatte zuvor die Gäste begrüßt, von Ministerin Lucia Puttrich über Ex-Landtagspräsident Norbert Kartmann und Landrat Jan Weckler bis zum CDU-Ehrenmitglied Gerhard Schmidt, »der mit 90 Jahren dem Vorstand noch immer mit Rat und Tat zur Seite steht«. Bürgermeister Dirk Antkowiak gab einen Ausblick auf Veranstaltungen und Aktivitäten in 2019, während der Landtagsabgeordnete Tobias Utter die rhetorischen Fertigkeiten seines »Chefs« vorwegnahm und vom Haus-zu-Haus-Wahlkampf in Dorheim erzählte: »In einem Hof trafen wir eine Gruppe freundlicher Rentner, die selbstgekelterten Apfelwein verkosteten. Da haben wir dann mitverkostet, und so endeten unsere Hausbesuche in Dorheim rasch.«

Quelle: Wetterauer Zeitung, 31.01.2019

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