Wir gratulieren Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender herzlich zum Geburtstag! Zu seinem Ehrentag posten wir hier eine echte Rarität. Ein seltenes Foto von Hendrik Hollender als Hinterbänkler.

Als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung sitzt Hendrik seit über 20 Jahren in der ersten Reihe. Dieses Foto entstand in der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung letztes Jahr. Während die Sitzung durch den Alterspräsident Dr. Meier von der FDP geleitet wurde, nahm Hendrik in der letzten Reihe Platz.

Lange musste er dort aber nicht ausharren. Vorgeschlagen von der CDU-Fraktion wurde Hendrik einstimmig in das Amt gewählt, dass er jetzt zum fünften mal ausübt.

Sein Amtsverständnis hat in seiner Antrittsrede für uns zusammengefasst. Überparteilich aber nicht unpolitisch und schon gar nichts meinungslos!

Wir danken Hendrik für seinen langjährigen Dienst für die Bürger der Stadt Friedberg, wünschen ihm für sein neues Lebensjahr alles Gute und hoffen, dass er uns noch lange erhalten bleibt!

Seine Antrittsrede vom 29.04.2021 könnt ihr hier nachlesen. Auch fast ein Jahr später hat was Hendrik schreibt weiter Gültigkeit.

Herr Alterspräsident Dr. Meier,
Herr Bürgermeister Antkowiak,
Frau Erste Stadträtin Götz,
liebe alte und neue Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren,

bereits zum fünften Mal stehe ich nun vor Ihnen als Stadtverordnetenvorsteher.

Das ist eine große Ehre, und ich bedanke mich bei Ihnen ganz herzlich für das Vertrauen.

Ich bin mir der besonderen Verantwortung in diesem Amt bewusst, zumal die Herausforderungen und Ansprüche an die parlamentarische Demokratie gewachsen sind und weiterwachsen werden.

Herzlichen Dank an die Fraktionen – und gestatten Sie mir, dass ich insbesondere auch meiner Fraktion, der CDU-Fraktion, für die vorausgegangene Nominierung für dieses hohe Amt danke!

Zunächst darf ich im Namen des Hohen Hauses unserem Alterspräsidenten danken:

Sehr geehrter Herr Kollege Dr. Meier!

Sie haben den Auftakt dieser konstituierenden Sitzung souverän geleitet und uns in Ihrer Rede einiges mit auf den Weg gegeben! Herzlichen Dank dafür!

Ich weiß dieses einstimmige Votum sehr wertzuschätzen. Es ist eine Ehre, dieser Stadtverordnetenversammlung weiterhin vorstehen zu dürfen. Aber auch das will ich nicht verhehlen: Es ist mir natürlich auch eine echte Freude, dieser großartigen Versammlung vorstehen zu dürfen. Ich gehöre diesem Haus seit 1988 an, seit 2001 als ihr Vorsteher. Von den damaligen 45 Stadtverordneten sind noch neun Personen auch in der neuen Stadtverordneten-versammlung vertreten, die Damen und Herren Antkowiak, Eisenhardt, Götz, Hausner, Janke, Messerschmidt, Simmer, Stoll und Uebelacker.

Ich habe meine Stadtverordnetentätigkeit immer als eine hohe Verantwortung verstanden, und ich habe das Mandat immer als meine demokratische Legitimation verstanden.

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, und natürlich auch – das will ich sehr ausdrücklich sagen – mit Ihnen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die Sie diese Verwaltung am Funktionieren erhalten.

Ich will dieses Amt nach bestem Wissen und Gewissen führen: unparteiisch, kollegial, kompromissfähig und kommunikativ im Sinne einer selbstbewussten Stadtverordnetenversammlung und natürlich auch im Sinne einer starken Demokratie.

Das Amt des Stadtverordnetenvorstehers der Kreisstadt Friedberg ist zum Teil ein repräsentatives Amt. Aber auch in einem repräsentativen Amt kann man sich einmischen. Ja, es ist sogar Pflicht und Aufgabe, und genauso beabsichtige ich diese Aufgabe auszufüllen.

Als Stadtverordnetenvorsteher hört man keineswegs auf, aktiv Politik zu machen.

Nein, mit dem Amt des Stadtverordnetenvorstehers wächst die Verantwortung, Politik wahrnehmbar – und zwar für alle – zu machen: überparteilich, aber nicht unpolitisch und schon gar nicht meinungslos. Das ist mein Verständnis von dieser Aufgabe.


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Friedberg, Deutschland, eigentlich die ganze Welt steckt in einer schweren Krise, die andere, nicht minder wichtige Themen in den Hintergrund drängt. Die Situation unter der Corona-Pandemie ist ernst. Viele Menschen sind krank und etliche bereits gestorben, und es ist keine Schwarzmalerei, festzustellen:

Das geht noch lange weiter!

Die städtische Demokratie hat bisher trotz Pandemie funktioniert: So ist keine Stadtverordnetenversammlung ausgefallen. Auch die Kommunalwahl hat stattfinden können. Ein Wermutstropfen war die mit knapp 50 Prozent immer noch relativ magere Beteiligung der Friedbergerinnen und Friedberger an der Wahl.


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Angst und die Organisation notwendiger Schutzmaßnahmen sowie der Impfungen beherrschen jetzt die Gedanken der Menschen, und bei vielen auch die Sorge um ihre berufliche Existenz.

Was ist, wenn die Kurzarbeit sehr lange dauert? Wenn ich als Kulturschaffender, als Restaurantbesitzerin oder als Tagesmutter meinen Laden wochen- oder gar monatelang schließen muss?

Eine ganze Reihe von Einschränkungen haben inzwischen unseren Alltag völlig umgekrempelt.

Kurz: Das öffentliche Leben ist in einem bisher nicht gekannten Ausmaß beschränkt, um die Ansteckung mit dem Coronavirus zu verlangsamen.

Dafür zeigen die allermeisten Frauen, Männer und Kinder in unserer Stadt Verständnis, das ist zu spüren.

Dafür möchte ich mich – auch im Namen der Stadtverordnetenversammlung– herzlich bedanken.

Es ist nicht zu ändern, und niemand sollte so tun, als habe er bessere Lösungen in der Tasche.

Gefragt ist jetzt Geschlossenheit und nicht Besserwisserei!

Aber auch mit noch so großem Einsatz wird die Krise nicht zu meistern sein, wenn nicht alle, wirklich: alle!, dabei mitwirken.

An uns allen liegt es, durch verantwortungsvolles Verhalten dazu beizutragen, dass sich die Pandemie nicht weiter und schneller ausbreitet.


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ganz unabhängig von Alter und Geschlecht stehen wir alle miteinander vor großen Herausforderungen, die uns die Wählerinnen und Wähler am 14. März mit auf den Weg gegeben haben. Es gibt viele Dinge, die auf unserer Agenda stehen.

Wir haben fünf Jahre, die vor uns liegen, um sie gemeinsam anzugehen.
Gleichzeitig ist diese Aufgabe nicht gerade einfacher geworden.

Denn die Bandbreite an Ideen und Meinungen ist mit vielen neuen Stadtverordneten größer und vielfältiger.

Und auch wenn wir uns bei manchem Ziel bestimmt einig sein werden: Über die Frage nach dem richtigen Weg werden wir voraussichtlich intensiv diskutieren müssen.


Vielleicht kann uns dabei manchmal ein Satz des amerikanischen Theologen, Philosophen und Politikwissenschaftlers Reinhold Niebuhr (1892-1971) Orientierung geben – ich darf zitieren:

‚Gott gebe mir die Gelassenheit,

die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden‘.


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies ist eine Sitzung an einem historischen Datum!

Vor 500 Jahren, im April 1521, kam es auf dem Reichstag zu Worms zum Showdown zwischen Kaiser Karl V. und Martin Luther. Auf dem Wormser Reichstag hatte Luther sich vor dem Kaiser und den versammelten Mächtigen des Heiligen Römischen Reiches geweigert, seine Werke zu widerrufen, mit denen er bereits den Papst gegen sich aufgebracht hatte. Damals war Luther auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Auf der Rückreise vom Reichstag nach Wittenberg – das er nicht erreichte, da er unterwegs auf die Wartburg „entführt“ wurde – wurde Luther vom kaiserlichen Reichsherold Kaspar Sturm begleitet. Friedberg erreichte Luther am 28. April 1521 und im damaligen Gasthaus „Zum Grünberg“ soll der Reformator übernachtet haben. An dem Haus (heute Kaiserstraße 32, Firma „Betten-Decher“) ist eine entsprechende Gedenktafel angebracht. Von Friedberg aus schrieb Luther an Kaiser Karl V. einen Brief, in dem er seine reformatorische Stellung und seine Beurteilung der Reichstagsereignisse noch einmal zusammenfasste. Datiert ist der Brief mit „Gegeben zu Friedberg am Sonntag Cantate, (28. April), im 1521. Jahre.“

Am 29. April 1521 entließ er Kaspar Sturm und gab ihm sein Schreiben für den Kaiser mit.

Ein weiteres Schreiben war für seinen Freund, den kursächsichen Sekretär Georg Spalatin bestimmt. Unterzeichnet mit: „Lebe wohl im Herrn, Friedberg, Montag nach Kantate (also 29. April), morgens, im Jahre 1521.“


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es wird eine Herausforderung sein, Kompromisse und Lösungen zu finden. Damit wir sie stemmen, braucht es Kollegialität, Kompromissfähigkeit und Kooperation.

Unsere Aufgabe ist es, oft komplexe Sachverhalte zu durchdringen, Argumente abzuwägen und schließlich zu Lösungen zu kommen.

Und: ja, Entschieden wird in der Demokratie mit Mehrheiten, aber mitreden und kluge Gedanken einbringen, sollen auch Minderheiten.

Ich erwarte, dass diese Stadtverordnetenversammlung auch weiterhin eine gute, von gegenseitigem Respekt geprägte Diskussionskultur vorlebt und werde dies auch einfordern und durchsetzen, wenn es nötig werden sollte.

Dass wir seit 75 Jahren in Frieden leben, hat viel mit unserem funktionierenden parlamentarischen System, mit unseren gemeinsamen Werten, unserer gefestigten Demokratie und mit dem erfolgreichen europäischen Integrationsprozess zu tun.


Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen allen und auch mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung

Ihnen und uns wünsche ich nun viel Energie und Freude bei unseren Aufgaben hier in der Stadtverordnetenversammlung und seinen Ausschüssen und Gremien und Gottes Segen.

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