(dst) Mit dem Thema für ihr fünftes Friedberger Stadtgespräch hatte die CDU offensichtlich ins Schwarze getroffen. Es ging um die „Kaiserstraße zwischen grüner Wiese und Amazon“. Passenderweise hatte die Partei zu dieser Diskussion vergangenen Montag in das Traditionslokal „Die Dunkel“ eingeladen. Die Plätze der gemütlichen Bierstube reichten gerade aus, um alle interessierten Bürger aufzunehmen. Zahlreiche Geschäftsinhaber waren unter ihnen. CDU-Vorsitzender Dr. Hermann Hoffmann und sein Parteikollege Hendrik Hollender hatten wenig Mühe, die Diskussion ins Rollen zu bringen. Zu groß ist nach wie vor die Unzufriedenheit mit der Entwicklung von Friedbergs Einkaufsstraße.

Das fängt mit dem unattraktiven Erscheinungsbild an. „Wie in Jakarta“ sähe es teilweise auf der Kaiserstraße aus, entrüstete sich ein Gastronom. Die Fußwege seien verdreckt, vermüllt und mit Waren zugestellt. Autofahrer würden vor den Baumscheiben parken. „Das sind alles Probleme, die sich lösen ließen“, bemerkte dazu Hendrik Hollender, „wenn man die gültige Satzung durchsetzen würde“. Vor einiger Zeit sei das Parkverhalten beispielsweise schärfer kontrolliert worden und dadurch eine spürbare Besserung eingetreten. Dr. Hermann Hoffmann wies auf einen CDU-Antrag hin, für drei unbesetzte Stellen im Ordnungsamt kurzfristig Personal einzustellen.

Emotional ging es auch beim alt bekannten Streitthema Parkplätze zu. „Wir leben in Friedberg schon immer von den Auswärtigen“, stellte Geschäftsinhaber Peter Junker fest. Andere verwiesen auf den demographischen Wandel. Ältere Bürger wollten mit dem Auto einkaufen. Friedberger Geschäftsinhaber stünden nicht nur in Konkurrenz zum Internethandel, der im vergangenen Jahr um 25 Prozent gewachsen sei, bemerkte Friedrich W. Durchdewald, sondern auch zu den Einkaufszentren mit ihren riesigen Parkflächen.  Seiner Aussage „wir brauchen genügend Parkplätze“ widersprach deshalb keiner der Anwesenden. Und die Kritik am geplanten Wegfall von bis zu vierzig Parkplätzen im Zuge der Umgestaltung des Elvis-Presley-Platzes war einmütig. Auch der geplanten Sperrung der Wolfengasse für den Autoverkehr konnte niemand etwas Gutes abgewinnen. Damit gäbe es von der östlichen Altstadt her keine Zufahrt mehr zur Kaiserstraße. Ärger machte sich auch angesichts der empfundenen Alleingänge der Stadtverwaltung breit. Sie würde solche Beschlüsse durchsetzen, ohne vorher mit den Bürgern in den Dialog zu treten, so die verbreitete Ansicht. Durchdewald als Sprecher des Friedberg-Forums wies erneut darauf hin, dass das Forum ein Konzept erarbeitet habe, welches für alle angesprochenen Probleme eine Lösung biete. Die Wolfengasse sei in diesem Konzept beispielsweise nicht für den Verkehr gesperrt. Trotzdem würde der Erlebniswert der Kaiserstraße immens gesteigert, so der Unternehmer. Und die Kaiserstraße müsse „auch ein Einkaufsevent sein“, konstatierte Dr. Hermann Hoffmann.

Albrecht Pachl, seit 12 Jahren Bürger von Friedberg, bemängelte die schlechte Vermarktung der historischen Schätze. Kultur- und Museumsführer über das Rhein-Main-Gebiet enthielten Hinweise auf kleine unbedeutende Stätten, aber nicht auf die Friedberger Burg oder das Judenbad. Peter Junker vermisst innerhalb der Stadt zentrale Hinweise auf diese Sehenswürdigkeiten.  Friedrich W. Durchdewald wiederholte seine bekannte Ansicht, dass Friedberg als Einkaufsstadt nur dann eine Chance habe, „wenn es uns gelingt, die Historie zu vermarkten.“

Immer problematischer scheint sich den Äußerungen der Gäste nach die Situation in der Friedberger Altstadt zu entwickeln. Prostitution, Drogenhandel, Gewalt und Kriminalität nähmen immer weiter zu, berichteten mehrere Anwesende. Abends würde sich schon lange niemand mehr in die Altstadt wagen. Und „die Kaiserstraße endet am Wettbüro“, meinte ein Gast.

Ganz neue Probleme sieht nicht nur Apotheker Bernd Ulrich auf Friedberg zukommen. Die CDU hat bereits öffentlich auf Entwicklungen aufmerksam gemacht, die sie durch den geplanten Verkauf von Bauland an die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft befürchtet: dass nämlich sozial schwache Frankfurter nach Friedberg umgesiedelt werden. Die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft plane auf dem ehemaligen US-Militärgelände in Friedberg Wohnungen für einkommensschwache Menschen oder Sozialhilfeempfänger, so Dr. Hermann Hoffmann. Es könne nicht sein, dass „Friedberg die Wahlversprechen von Peter Feldmann einlöst“. Problematisch sei nicht nur, meinten anwesende Bürger, dass dadurch weitere Sozialkosten auf die Stadt und vor allem den Kreis zukämen. Kritisch wurde vor allem die Tatsache gesehen, dass den Geschäften dadurch ein Zuwachs an Kaufkraft entginge. Friedberg braucht „Parkplätze, Niveau der Kunden und Kaufkraft“ resümierte Bernd Ulrich unter dem Beifall der Gäste.

Zum Abschluss versprachen die beiden Moderatoren und CDU-Politiker Hendrik Hollender und Dr. Hermann Hoffmann, alle angesprochenen Probleme in ihrer zukünftigen stadtpolitischen Arbeit zu berücksichtigen.

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