(hol)Für rund 15.200 Euro werden sieben Linden vom Elvis-Platz auf die Seewiese verpflanzt. „Dies hat nichts mit Nachhaltigkeit zu tun, sondern ist verschleudern von städtischen Haushaltsmitteln!“ stellt Friedbergs CDU-Vorsitzender Dr. Hermann Hoffmann fest. Denn womit sich die grüne Stadträtin Petra Rauch-Weitzel in der WZ vom 30. Januar brüstet - „Ich habe neulich erst wieder sieben Bäume gerettet, die werden jetzt umgepflanzt statt abgeholzt“- ist vor allem politisches Wunschdenken.

Denn das fachgerechte Verpflanzen von Bäumen umfasst mehrere Arbeitsschritte. Neben der eigentlichen Verpflanzung sind vorbereitende und mehrjährige nachsorgende Maßnahmen zu berücksichtigen, um ein Anwachsen und die Weiterentwicklung des Baumes am neuen Standort zu begünstigen.

Einer standardisierten Großbaumverpflanzung mittels Rundspatenmaschine, wie in Friedberg vorgesehen, richtet sich normalerweise nach den Vorgaben der „ZTV-Großbaumverpflanzung“. Diese „Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für das Verpflanzen von Großbäumen und Großsträuchern – ZTV Großbaumverpflanzung“ der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. aus dem Jahr 2005, macht entsprechende Vorgaben. Da die sieben Linden aufgrund ihres Zustands, ihrer Maße, des Bodens und des Wurzelsystems als verpflanzbar eingestuft wurden, sind  eigentlich entsprechende Vorbereitungen am alten und am neuen Standort zu treffen. Am Baum selbst sind die folgenden Maßnahmen zu treffen: Um den künftigen Ballen (bis unter den Hauptwurzelbereich) ist ein Graben von mindestens 20 cm auszuheben.

Der Grabenaußenrand soll dabei der späteren Ballenaußenseite entsprechen. Die Wurzeln im Grabenbereich sind fachgerecht zu schneiden und zu behandeln. Idealerweise erfolgt das Freigraben und Schneiden der Wurzeln in zwei Stufen. So ist bei einer Vorlaufzeit von zwei Jahren im ersten Jahr die Hälfte des Grabens auszuheben, im zweiten Jahr die zweite Hälfte. Bei einer Vorlaufzeit von einem Jahr kann der Ballen in einem Arbeitsgang freigegraben werden, sofern die Standsicherheit nicht beeinträchtigt wird. Eine ausreichende Vorlaufzeit ist somit ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der Verpflanzung.

„Was in Friedberg nun aber gemacht wird, entspricht nicht dem aktuellen Regelwerk für Großbaumverpflanzungen. Es besteht die Gefahr, dass die sieben Linden noch Jahre krank aussehen werden“, so CDU-Chef Dr. Hermann Hoffmann. Und über einen Punkt müssten sich alle „Baumretter“ auch klar sein, dass die Linden nämlich mehrere Jahre in ihrer biologischen Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt sein werden. Denn notwendig ist nach dem Umpflanzen ein Kronenschnitt in Form eines fachgerechten Auslichtungsschnittes. Dabei muss die natürliche Kronenform der Baumart beziehungsweise des Baumes berücksichtigt und dem verringerten Wurzelvolumen angepasst werden. Die Linden seien dann, so Dr. Hoffmann, eine Art ‚Wach-Koma-Patient’. Und außerdem ist eine mindestens zweijährige Dauerpflege mit bis zu 20 Bewässerungsgängen pro Jahr erforderlich.

Und die Alternative? Friedbergs CDU-Vorsitzender Dr. Hoffmann rechnet vor, dass die Stadt für 15.200 Euro 14 neue Linden mit einer Höhe von 4 bis 5 Metern und einem Kronendurchmesser von 2 bis 3 Metern bei einem Stammumfang von 30 Zentimetern hätte kaufen und pflanzen können. „Und das mit einer Anwachsgarantie von nahezu 100 Prozent und einer deutlich geringeren jährlichen Pflege. Diese Linden würden auf Grund ihres intakten Wurzelballens viel schneller anwachsen als die umgepflanzten Linden und ihre volle biologische Leistungsfähigkeit viel schneller erreichen als die umgepflanzten Linden. Und wir hätten dann doppelt so viele Bäume!“

Da  der Anwachserfolg verpflanzter Bäume nie garantiert werden kann, hätte die Stadt für den Betrag von 15.200 Euro besser 14 neue Linden pflanzen sollen. Aber viele selbsternannte „Baumretter“ in Friedberg haben leider weder einen ökonomischen noch einen ökologischen Weitblick.

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