(sto) Am Donnerstag vergangener Woche war das „Hüttchen“ der Turngemeinde wieder bis zum letzten Platz gefüllt, wohin die Friedberger CDU zur jährlichen Mitgliederversammlung gerufen hatte. Es galt die Delegierten für den anstehenden Wahlkreisdelegiertentag zu wählen, auf dem nach dem Willen der Christdemokraten Oswin Veith zum Direktkandidaten bei der Bundestagswahl 2013 gekürt werden soll. Außerdem stand die Ehrung langjähriger Mitglieder auf der Tagesordnung. Geleitet wurde die Versammlung von dem Vorsitzenden der CDU Friedberg Dr. Hermann Hoffmann, den Wahlvorgang leitete MdL Tobias Utter.

Dr. Hoffmann berichtete vom ersten Jahr seiner Amtszeit. Er erinnerte an den Neujahrsempfang mit dem hessischen Finanzminister Dr. Schäfer und seinen erhellenden Ausführungen zum Euro sowie die Friedberger Stadtgespräche mit Ole von Beust und zur Rettung des Ockstädter Quellwasserschwimmbads. Hoffmann rügte auch das Verhalten der SPD und der Grünen beim Beschluss zur Umgestaltung der Kaiserstraße. Erst habe der Bürgermeister in der Bürgerversammlung erklärt, man wolle die Anregungen der Bürger berücksichtigen. Dann habe Rot-Grün ihre Planung aber ohne Berücksichtigung der vielen sinnvollen Anregungen durchgepeitscht.

Olaf Beisel kam in seinem Bericht als Vorsitzender der CDU Fraktion in der Friedberger Stadtverordnetenversammlung auf die „neue politische Kultur in Friedberg seit Rot/Grün“ zu sprechen. Das Verhalten der Koalition aus SPD und Grünen sei von Arroganz und Ignoranz geprägt. Anträge der anderen Fraktionen würden nicht mehr sachlich diskutiert sondern schlicht abgelehnt. Selbst wenn im Einzelfall Vertreter der Koalitionsfraktionen hinter vorgehaltener Hand einräumten, dass ein Antrag der CDU sinnvoll ist, sei die Koalition nicht einmal bereit, die Sache nochmals im Fachausschuss zu erörtern. So sei das im Fall der Kaiserstraße gewesen aber auch etwa bei dem Antrag auf Bezuschussung der Freiwilligen Feuerwehr zur Schaffung einer 400 EUR Stelle für die Brandschutzerziehung. Dieser Antrag, der der Erfüllung einer gesetzlichen Pflicht der Kommunen entspricht, wurde von der Koalition mit fadenscheiniger Begründung abgelehnt. „Die CDU hat in den Zeiten der Jamaika-Koalition einer Ausschussverweisung bei Anträgen der Opposition grundsätzlich zugestimmt, wenn in der Sache Handlungsbedarf bestand.“, erklärte Beisel.

Im übrigen wurde die „politische Agonie von Rot/Grün“ kritisiert. Der Koalition gehe es ausschließlich um personelle Fragen. Erst habe man eine Stelle für Frau Schäfer als Quartiersmanagerin geschaffen, ohne dabei konkrete Zielvorgaben zu definieren, die über gelegentliche Kaffeerunden und die Beteiligung an Festivitäten hinausgingen. Nun wolle man Horst Weitzel zum Ersten Stadtrat wählen, um ihn in die Pole-position für die nächste Bürgermeisterwahl zu rücken. Im übrigen quäle man die Verwaltung mit seitenlangen Prüfaufträgen. Sachanträge? Fehlanzeige.

Die einstimmige Entscheidung, Peter Ziebarth als CDU-Kandidaten bei der anstehenden Stadtratswahl zu nominieren, wurde von den anwesenden Mitgliedern mit frenetischem Applaus gewürdigt. Man werde in den kommenden Wochen für den eigenen Kandidaten und dessen Vorzüge werben.

Bei der Bestimmung der Wahlkreisdelegierten wurde der Vorschlag des Wahlvorbereitungsausschusses nach zwei Rochaden auf der Liste mehrheitlich angenommen. Die Friedberger Christdemokraten entsenden 21 Delegierte zur Wahl des CDU-Direktkandidaten.

Die Ehrung langjähriger Mitglieder nahmen dann Dr. Hoffmann, Utter sowie die stellvertretende Vorsitzende Christel Bohl gemeinsam vor. Für eine fünfzigjährige Mitgliedschaft wurden Werner Kipp und Hermann Kosch geehrt. Werner Kipp war lange Jahre als CDU- und CDA-Mitglied bundesweit in der Gewerkschaft der Eisbahner Deutschlands aktiv. Das Wirken von Hermann Kosch, einem der Autoren der Festschrift „50 Jahre CDU Ockstadt“, erstreckt sich vor allem auf die Bereiche der Kultur- und Gesellschaftspolitik. Lange Jahre war er Schöffe beim Amtsgericht Friedberg und Landgericht Gießen. Außerdem ist er im Geschichtsverein Ockstadt engagiert und betreut das Archiv der Pfarrgemeinde Sankt Jakobus.

Auf jeweils vierzig Jahre CDU-Mitgliedschaft blicken Gertrud Geipel, Thomas Grund, Bernhard Eis, Jürgen Schäfer und Alois Zuleger zurück. Gertrud Geipel ist eine wohlbekannte Persönlichkeit aus der Kernstadt. Sie wirkt aktiv an den Erzählkaffees über Friedberger Themen, z.B. über die Verfolgung der Friedberger Juden oder über Elvis Presley, mit. Auch Thomas Grund, Bernhard Eis und Jürgen Schäfer sind engagierte und treue Mitglieder aus der Kernstadt. Jürgen Schäfer, bekannt auch als „Mister Kaiserstraße“ ist dabei im Stadtmarketing der Stadt Friedberg tätig und hat sich in den letzten Jahren dem Entwurf eines alternativen Plans für eine Erneuerung der Kaiserstraße gewidmet. Für diese Arbeit wird er von der CDU besonders geehrt.

Für eine fünfundzwanzigjährige Mitgliedschaft wurden schließlich Anneliese König sowie die noch in politischen Ämtern aktiven Claudia Eisenhardt, Sybille Wodarz-Frank und Herbert Wellenberg geehrt.

In seinem Schlusswort dankte Dr. Hoffmann allen Erschienenen. Für die CDU Friedberg gelte es in der nahen Zukunft, dafür zu sorgen, dass der von SPD und Grünen bereitete Stillstand beendet und wieder Politik für die Bürger gemacht werde.

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