(har). Rotarier, Soroptimisten, Zonta-Damen und seit Neuestem Inner-Wheel-Damen. Das sind Menschen, die sich für andere einsetzen. "Viele haben schon von diesen Service-Clubs gehört, doch was steckt eigentlich hinter deren Ideen?" fragte der CDU-Vorsitzende Dr. Hermann Hoffmann zum Auftakt des zwölften Stadtgesprächs am Donnerstagabend im voll besetzten "Hüttchen".

Vier Clubs hatten die Einladung angenommen und präsentierten ihre Arbeit. Die beiden Lions-Clubs mussten aus terminlichen Gründen absagen. Neben den Service- Clubs präsentierten sich auch die kaum bekannte Freimaurerloge "Ludwig zu den drei Sternen" und die "Schlaraffen".

Zwei Stunden lang erfuhren die Besucher viel über die oft mehr als 100-jährige Geschichte der Clubs und Vereinigungen sowie über deren Strukturen und aktuelle Arbeit. Wer Mitglied werden will, braucht meist einen Fürsprecher aus dem Club. Eines wurde an diesem Abend schnell deutlich: Der Einsatz für Mitmenschen, sei es durch finanzielle Unterstützung oder persönlichen Einsatz, wird bei den Clubs großgeschrieben. Dagegen beschäftigen sich die Logen-Brüder und die Schlaraffen "doch eher mit sich selbst", wie es eine Besucherin formulierte.

Der Auftakt blieb den Damen vorbehalten. Theresa Plaz, Präsidentin des Zonta-Clubs Bad Nauheim/Friedberg, dem aktuell 29 berufstätige und selbstständige Frauen angehörten, betonte, der Arbeitsschwerpunkt liege auf "Hilfe von Frauen für Frauen". Zu den Projekten des reinen Damenclubs gehören die Vergabe von Stipendien an begabte Mädchen sowie die Unterstützung des Frauenhauses oder von Wildwasser.

Ebenfalls nur Frauen vorbehalten ist die Mitgliedschaft bei den Soroptimisten International. Im 1991 gegründeten Bad Nauheimer Club sind 28 Frauen aus verschiedenen Berufen aktiv. Die jüngste ist 30, die älteste 90, und "im August bekommen wir sogar ein Baby", freute sich Vizepräsidentin Dr. Ulrike Kreinhoff. Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht die Verbesserung der Lebensbedingungen für Frauen und Mädchen.

Der weltweit älteste Service-Club ist der "Rotary-Club", dessen lokale Gruppe bereits 1957 gegründet wurde. Die 60 Mitglieder treffen sich wöchentlich, sagte Präsident Michael Ruhnau, der den Club als "Ort des sozialen Engagements" bezeichnete. Die Rotarier Bad Nauheim/Friedberg unterstützen weltweite Projekte wie den Kampf gegen Polio ebenso wie die Clown-Doktoren, den Hospizverein oder die Anschaffung eines Diabetes-Hundes. Auf die Frage von Mitmoderator Hendrik Hollender, warum bei der derzeitigen Diskussion um ehrenamtliche Tätigkeit die Service-Clubs keine Rolle spielen antwortete Ruhnau: "Wir brauchen diesen Mainstream nicht, wir konzentrieren uns weiter auf unsere Tätigkeiten."

Eng verbunden mit dem Rotary-Club ist der vor einem Jahr gegründete "Inner- Wheel-Club Bad Nauheim/Friedberg". Die aktuell 18 Frauen sind alle "rotarische Ehefrauen", sagte Gründungspräsidentin Gabriele Rücker. Besonderen Wert legt die Gruppe auf "Hilfe vor Ort". Ein halbes Jahr lang führten Frauen an der Stadtschule an der Wilhelmskirche Erste-Hilfe-Kurse für Kinder durch. Unterstützt wurden ferner Hospizarbeit und Telefonseelsorge. Soziale Projekte unterstützt auch die Freimaurerloge "Ludwig zu den drei Sternen". Doch das ist nur ein kleiner Teil ihrer Tätigkeit. "Humanität und die Entwicklung des Menschen stehen im Mittelpunkt unserer Rituale", erklärte der 1. Aufseher Dirk Kristel. Die Ursprünge der Logen liegen im Steinmetzhandwerk, doch was da genau bei den Abenden im Logenhaus in der Ludwigstraße geschieht, blieb weitgehend offen.

Fröhlich ist dagegen das Treiben der "Schlaraffen" im "Dicken Turm". Deren Zermonienmeister Jochen Messerschmidt bezeichnete den "Kokolores" der rund 60 Mitglieder als "Pflege von Kunst, Humor und Freundschaft", wozu auch ein eigenes Vokabular gehört. "Wir haben Spaß, sind aber kein Karnevalsverein", betonte "Ritter Tiramisu" (so sein "Schlaraffen"-Name). Für den "Dicken Turm" haben die "Schlaraffen" mit der Verwaltung der Burgen und Schlösser einen Erbpachtvertrag abgeschlossen.

Messerschmidt sagte zu, dass die Räume im "Dicken Turm" von den Mitglieder anderer Clubs besichtigt werden können. "Auch von Frauen", antwortete er auf eine entsprechende Frage. Nach dem offiziellen Teil blieb noch Zeit zum Austausch untereinander, und der wurde reichlich genutzt.

Quelle: Wetterauer Zeitung, 23.05.2015, Seite 26

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